ABAKUS im Gespräch mit Roland Panter: Menschenverstand, Neugier und Empathie sind die Skills im Social Web

15. Juni 2015 von Katrin Berghaeuser

In unserem letzten Interview haben wir die Inhouse SEO, Dr. Anita Klutsch zu Wort kommen lassen. Heute ist Roland Panter an der Reihe, Social Media-Experte, Sprecher, Moderator und Buchautor. Außerdem gehört er zu den ersten aktiven Twitter-Usern in Deutschland. Unter anderem verriet uns Roland Panter auch, dass er privat neben Twitter, Facebook am liebsten nutzt.

FotoAllen Unkenrufen zum Trotz gehört Facebook nach wie vor zu den reichweitenstärksten und meist genutzten sozialen Netzwerken weltweit. Allein in Deutschland zählt Facebook 28 Millionen aktive Nutzer. 77 Prozent der deutschen Facebook-Nutzer markieren sogar bereitwillig mindestens eine KMU Unternehmensseite mit „Gefällt mir“. So sollten auch kleine bis mittelständische Unternehmen das hohe Potential von Social Media für sich nutzen und ihre unternehmerischen Handlungsspielräume erweitern. Nur Mut! Auch Roland Panter meint: „Wer jedoch entdeckt, dass sich potenzielle Kunden heute ganz selbstverständlich über verschiedene Aspekte im Social Web informieren und austauschen, der wird schnell merken, dass es sinnvoll ist, genau in so einem Moment präsent zu sein.“


Wir freuen uns sehr, dass er unsere Fragen hinsichtlich seines persönlichen Werdegangs, der Veränderungen im Berufsbild Social Media Manager, künftiger Social Media Trends sowie veränderter Nutzergewohnheiten beantwortet hat und mit uns seine Ansichten zum Thema Social Media teilt: „Die aktive Suche über bspw. Google hat durch die sozialen Netzwerke einen starken Wettbewerber bekommen.“

  1. Stell dich doch bitte kurz vor, auch wenn dich bereits viele in der Szene kennen.

Mein Name ist Roland Panter. Ich bin freiberuflicher strategischer Berater und Interims Manager und verbessere die kommunikativen Fähigkeiten von Organisationen. Darüber hinaus bin ich als Autor, Sprecher, Moderator und Dozent tätig.

Seit dem Beginn meiner Karriere habe ich mit digitalen Medien und dem Internet zu tun. Durch die Vielfalt an Themen und Aufgaben in den vergangenen 20 Berufsjahren habe ich das Thema Kommunikation umfassend, medien- und disziplinenübergreifend erlernt. Meine Arbeit hat unmittelbaren Einfluss auf den Erfolg meiner Kunden. Eine verantwortungsvolle Aufgabe, die ich mit großer Profession ausübe.

  1. Wann und wodurch bist du das erste Mal mit Social Media in Berührung gekommen? Woher resultierte dein Interesse an Social Media?

Zu Social Media bin ich eher zufällig gekommen. Auslöser waren zum einen die Aufgabe als Administrator eines großen Fanforums im Erstliga-Sport und zum anderen die recht frühe intensive Auseinandersetzung mit der Plattform Open Business Club, dem heutigen Xing. Entscheidend war aber sicher nach Facebook und LinkedIn die Beschäftigung mit Twitter im Jahr 2008. Ich hatte das große Glück, mit zu den ersten richtig aktiven deutschen Nutzern zu gehören, wie auch viele andere der heutigen Social Media Branchengrößen. Man lernte sich mit großer Neugier kennen und vernetzte sich intensiv. Das hält bis heute. So kam dann eins zum anderen und wir haben alle miteinander und aneinander gelernt die neuen Kommunikationswege zielführend einzusetzen.

  1. Was magst du am meisten an deinem Job?  

Ich mag den ganzen Job, er ist meine Profession – durch und durch. Die Anforderungen und Aufgaben eines Kommunikationsberaters sind jeden Tag anders. Das bedeutet viel Abwechslung und erfordert zugleich die Bereitschaft zu lernen und neue Herausforderungen anzunehmen. Das liegt mir und macht mir Spaß. Glücklicherweise habe ich Empathie, Kreativität und eine ausgeprägt analytische Denkweise mit auf den Weg bekommen. Diese besonderen Fähigkeiten im Zusammenspiel mit meinem erworbenen Erfahrungswissen sind meine Grundlage, um Unternehmen und Unternehmern bei der Verbesserung ihrer Situation oder der Lösung von Problemen zu helfen. Es ist immer wieder ein großes Vergnügen zu sehen, wie meine Ideen das Laufen lernen und Erfolge einfahren.

  1. Wie hat sich aus deiner Sicht der Beruf des Social Media Managers – im Vergleich zu deinen Anfängen – verändert?

Wesentliche Änderungen sind die Weiterentwicklung der Infrastruktur und natürlich der grundsätzliche Erfahrungsgewinn. Heute gibt es viel mehr beschriebene Methoden, Cases und Szenarien als vor fünf Jahren. Social Media ist inzwischen etabliert und es gibt zu fast jedem Thema gute und schlechte Cases, von denen man lernen kann. Allein die Menge der Menschen, die professionell in diesem Bereich tätig sind, hat sich in den letzten Jahren vervielfacht. Die Nerds sind in den Unternehmen angekommen, könnte man sagen.

Es sind aber auch Dinge, die wir vor einigen Jahren aus dem Bauch heraus gelöst haben – inzwischen vielfach praktiziert, statistisch erfasst, wissenschaftlich beschrieben und mit mannigfaltigen Erfahrungswerten hinterlegt. Das hilft enorm und gibt den Unternehmen zunehmend mehr Ergebnissicherheit.

Zugleich sind neue Spezialisierungen entstanden, die wirklich ein vertieftes Fachwissen erfordern. Facebook Ads ist beispielsweise so ein Thema, Community Management ein anderes. Zusammengefasst kann man sagen, vieles wurde professionalisiert und ist heute prozessual gut beschrieben – als Beispiel seien die Beschreibungen der Berufsprofile genannt, die im Bundesverband Community Management ausgearbeitet wurden. Meine Kollegen und ich arbeiten schon lange nicht mehr im „Neuland“ von Kanzlerin Merkel.

  1. Gibt es spezielle Eigenschaften und Fähigkeiten, die jeder Social Media Manager mitbringen sollte?

Darüber wird in der Branche gerne gestritten. Die einen bewerten digitale Empathie als wesentliche Fähigkeit, andere setzen eher auf fundiertes Wissen zu den Mechanismen des Marketings. Ich glaube, man benötigt inzwischen Beides. Die Zeiten, in denen ein internationaler Konzern mit einem engagierten Werksstudenten noch ein reichweitenstarkes Fallbeispiel produzieren kann, sind eher vorbei.

Heute braucht man Spezialisten, Tools, Analytik, Austausch und ganz wesentlich: Vernetzung! Dies intern, wie extern. Social Media verändert mit einer unglaublichen Dynamik Prozesse im Unternehmen – angefangen bei der Art, wie Innovationen entstehen bis hin zur Frage, wer eigentlich an welcher Stelle was über das Unternehmen aussagen darf. Nicht selten ist die Person des Social Media Manager dafür ein wichtiger Treiber. Ein integrativer Charakter, gesunder Menschenverstand und eine große Portion Neugier gehen also ganz klar vor Fachidiotie und Statusdenke.

  1. Warum sollten deiner Meinung nach Unternehmen im Social Web Präsenz zeigen?

Die Zeit ist reif dafür! Allerdings ist eine sichtbare Präsenz nicht immer zwangsläufig die richtige Empfehlung. Ganz oft reicht es – grad am Anfang – aus, ein Ohr im Social Web zu haben. Wer sich als Unternehmen dann ernsthaft auf Social Media einlässt, stellt schnell fest, dass man dafür recht umfangreiche Ressourcen bereitstellen muss. Da geht es um Manpower, aber auch um Budget.

Ein anderer Ansatz zur Beantwortung der Frage sind sich verändernde Gewohnheiten. Die aktive Suche über bspw. Google hat durch die sozialen Netzwerke einen starken Wettbewerber bekommen. Dort kommen Empfehlungen auf ganz anderen Wegen zu den Menschen. Die Währungen, über die wir in diesem Zusammenhang reden, heißen „like“ oder „share“ und stehen für durch Empfehlungen aufgewertete Reichweiten. Mundpropaganda mit Turbo, wenn man so möchte. Wer das haben will, sollte mitmachen. Wem das zu viel Arbeit ist, der sollte sich gewiss sein, dass ein Wettbewerber sich durch Social Media gerade einen großen Vorsprung gegenüber ihrem Unternehmen verschafft.

Trotz alledem gilt das alte Gesetz: Unternehmenskommunikation verfolgt ein Ziel. Dazu muss auch der gewählte Kommunikationskanal passen. Social ist hier nicht immer die richtige Antwort.

  1. Worin siehst du die Herausforderungen für Unternehmen, die Social Media für ihr Unternehmen nutzen wollen?

Die vermutlich größte Herausforderung ist die Frage nach der Sinnstiftung. Wir machen jetzt eine Facebook-Seite, weil alle eine Facebook-Seite machen, ist kein gutes Argument. Wer jedoch entdeckt, dass sich potenzielle Kunden heute ganz selbstverständlich über verschiedene Aspekte im Social Web informieren und austauschen, der wird schnell merken, dass es sinnvoll ist, genau in so einem Moment präsent zu sein. Dabei rede ich nicht von tumber Werbung, sondern von relevanten Informationen und Transparenz, die vielleicht eine Kaufentscheidung pro ihres Unternehmens ausfallen lässt. Genau das ist die Aufgabe.

In Märkten, in denen Anbieter immer austauschbarer werden, bietet Social Media die Chance, sich zu unterscheiden. Man kann auf einmal Themen herausarbeiten, die vorher bei einer reinen Preisabfrage vielleicht unter den Tisch gefallen sind. Nicht selten beeinflusst das eine Kaufentscheidung. Wir wollen schließlich auch nicht das billigste Auto fahren, da spielen viele andere Faktoren mit rein, die dann zur Kaufentscheidung führen. Social Media ist genau an dieser Stelle sehr stark.

  1. Weshalb scheuen noch immer eine Vielzahl an Unternehmen einen authentischen Auftritt im Social Web?

Ich behaupte, es sind Angst und Bequemlichkeit. Zugangsängste kennen wir ja von ganz vielen Bereichen. Mentale Barrieren, Schwellenängste, aber auch die Angst vor Veränderung spielen eine Rolle. Ein anderes Thema ist Unwissenheit, Trägheit und Betriebsblindheit. Als Unternehmer läuft man immer wieder Gefahr, es sich etwas zu bequem einzurichten mit der Hoffnung, dass es immer so weitergeht. Wer sich heute aber mit Digitaler Transformation oder dem digitalen Wandel beschäftigt, dem wird schnell klar, dass er handeln muss.

Es heißt jeder achte Arbeitsplatz sei durch Automatisierung gefährdet. Das betrifft inzwischen im besonderen Maße die Arbeitsplätze der sogenannten Geistesarbeiter. Mit den Themen Industrie 4.0 und Arbeit 4.0 stehen ganz andere Aufgaben vor der Tür, als es noch vor wenigen Jahren der Fall war. Das verändert Branchen und vermutlich auch ihr Geschäft. Sich dann ganz offen mit Vor- und Nachteilen seines Angebots auseinanderzusetzen, auch das will gelernt sein.

  1. Welches Netzwerk benutzt du am liebsten und warum?

Persönlich nutze ich am liebsten Twitter und Facebook. Für meine Kunden sind aber auch Xing, LinkedIn, Instagram, YouTube, Pinterest und vor allem Corporate Blogs ein Thema. Die Begründung für die Nutzung eines Netzwerks orientiert sich für mich am Kommunikationsziel. Was will ich erreichen? Dementsprechend wird das Angebot der Netzwerke analysiert und in eine Handlungsempfehlung formuliert. Die persönliche Vorliebe für ein Netzwerk weicht zunehmend einer rationalen Analyse.

  1. Was sind die nächsten Social Media Trends? Wohin geht die Entwicklung?

Das Internet wird mobiler, das ist sicher einer der Megatrends, der mit Whatsapp und Snapchat ganz neue Player in die Unternehmenskommunikation schickt. Mobil heißt aber auch, dass sich Mobilität und damit einhergehend die Nutzung von Medien verändert. Daher lautet die Antwort vielleicht „Immer und überall“ und betrifft Vernetzung, Zugang und Verfügbarkeit von Angeboten gleichermaßen.

  1. Wie bleibst du up to date?

Ich habe gut kuratierte Timelines bei Facebook und Twitter, in denen mir meine Kontakte eigentlich alle für mich relevanten Informationen in nahezu Echtzeit bereitstellen. Durch die Interaktion mit meinen Facebook-Freunden und die Auswahl der Accounts, denen ich folge, bestimme ich unmittelbar die Art der Informationen, die ich erhalte. Soziale Filter, die wirken.

  1. Du hast bereits zwei Bücher zum Thema Social Media veröffentlicht. Was hast du als nächstes vor?

Derzeit arbeite ich an meinem dritten Buch, das sich mit dem Thema Community Management im Kontext moderner Arbeitswelten auseinandersetzt. Dies wird voraussichtlich Ende dieses Jahres oder im ersten Quartal des nächsten Jahres erscheinen. Daneben arbeite ich, wie eingangs in diesem Interview beschrieben, als strategischer Berater und Interims Manager für verschiedene Unternehmen, habe Tätigkeiten als Dozent und bin Sprecher und Moderator auf Veranstaltungen und Workshops.

Roland, herzlichen Dank für das ausführliche und aufschlussreiche Interview!

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