Interview mit Kaspar Szymanski von den SearchBrothers

20. September 2017 von Bonnie Küster

Kaspar Szymanski, SEO Berater und ehemaliger Mitarbeiter des Google Search Quality Teams, ist einer der wenigen Suchexperten mit jahrelanger Erfahrung mit der Gestaltung und Umsetzung von Googles internen Richtlinien, Webspam Bekämpfung und einem hohen Bekanntheitsgrad als Sprecher auf SEO Events. Seit der Gründung von SearchBrothers steht er Unternehmen beratend zur Seite und spezialisiert sich im erfolgreichen Umgang mit manuellen Google Strafen und Suchmaschinenoptimierung.

Wir kennen Kaspar ja bereits von unserer SEMSEO in 2014, wo er als Keynote Speaker dabei war. Im ersten Teil unseres Interviews ging es vor allem um ihn selbst, seine Erfahrungen bei Google und sein Unternehmen SearchBrothers, welches er mit Freund und Kollege Fili Wiese (ebenfalls ehemaliger SEMSEO Speaker) betreibt. Im zweiten Teil des Interviews haben wir uns größtenteils dafür interessiert, wie Kaspar zum Thema Fehler im SEO steht sowie welche Relevanz Social Signals für das Ranking aus seiner Sicht haben.

ABAKUS Interview mit Kaspar Szymanski

Interview Part 1: Erfahrungen aus der Zeit bei Google und Kaspar Szymanski als Person

1. Kaspar, du hast das Google Team vor einigen Jahren verlassen, um eine neue berufliche Herausforderung einzugehen. Bereust du diese Entscheidung mittlerweile?
Hallo und danke für diese Gelegenheit ABAKUS Leser an meiner Erfahrung teilhaben zu lassen. Ich habe das Search Quality Team nach über sieben Jahren verlassen um gemeinsam mit einem früheren Google Kollegen und Freund Fili Weise eine neue, eigene Marke zu gründen: SearchBrothers.de. Obwohl die Google Erfahrung eine unglaublich spannende war und ich gern daran zurück denke, habe ich den Schritt nie bereut. SearchBrothers.de hat sich über alle Erwartungen hinaus besser entwickelt als wir es uns hätten träumen lassen. Ich bin in der glücklichen Lage von einem tollen Job in Einem noch spannenderen gewechselt zu haben.

2. Gab es eine besondere Erfahrung bei Google, die dich geprägt hat und von der du heute noch profitierst?
Es gab einige solche Erfahrungen. Selbstverständlich ist das Insiderwissen und der Erfahrungsvorsprung beruflich massiv von Vorteil. Prägend fand ich allerdings auch die persönlichen Kontakte, die während meiner Zeit bei Google entstanden sind. Von diesen Kontakten profitiere ich persönlich wie beruflich jeden Tag.

3. Welche Tools nutzt du bei der täglichen Arbeit? Und welches ist dein Lieblingstool, welches du weiterempfehlen würdest?
Wir verwenden primär unsere hausinternen Tools aber auch eine Reihe von bekannten und bewährten SEO Werkzeugen, die man wärmstens empfehlen kann. Dazu gehören Majestic, LinkResearchTools, Ryte, SEMRush, Ahrefs, Botify, ScreamingFrog und wahrscheinlich einige andere die mir spontan nicht einfallen. Das sind alles Tools die in kompetenter SEO Hand extrem nützlich sein können.

4. Wie lange fährst du eigentlich zur Arbeit?
Meine Arbeit erfordert einen Leistungsfähigen Laptop und eine gute Internetverbindung, insofern ist es für mich selten ein weiter Weg “ins Büro”. Ich bin aber sehr viel unterwegs und arbeite oft vom Hotel oder Flughafen aus.

5. Für ABAKUS sehr wichtig: Krökelst du und/oder deine Kollegen?
Mittlerweile selten, früher bei Google sehr oft!

6. Welche Trends sind aktuell für dich wichtig?
AMP Akzeptanz, welche neuen TLDs Anklang finden, was ausgewählte Google Mitarbeiter zum Thema Google Suche zu erzählen haben sind einige Beispiele. Allerdings verbringe ich recht wenig Zeit mit den neuesten Trends. Diese haben für langfristiges SEO und den Erfolg von unseren Kunden kaum Relevanz.

7. Was glaubst du, sind die nächsten Trends im Bereich Online Marketing?
Technisches SEO ist bereits wichtig. Es ist sehr wahrscheinlich, dass gerade bei großen Webauftritten in besonders umkämpften Märkten einwandfreie technische Lösungen, die allein schon für das Crawl Budget wichtig sind künftig noch an Stellenwert gewinnen werden. Das ist ein kontinuierlicher Trend, der seit einiger Zeit anhält und auf absehbare Zeit SEOs und Website Betreiber beschäftigen wird. Schon bald wird die Serverlog Analyse eine zentrale Bedeutung eines jeden SEO Projekts einnehmen. Das setzt natürlich voraus, dass Serverlogs fortwährend und kontinuierlich aufgezeichnet und gespeichert werden. Das ist heute bei der Mehrheit der Mittleren- und Großunternehmen noch nicht üblich. Ein absoluter Sündenfall für den es keine rationale Begründung geben kann, schon gar nicht aus vermeintlichen Kostengründen. Jedes egal wie große Unternehmen, dass auf ordentliche Google Sichtbarkeit Wert legt, muss unbedingt Serverlogs aufzeichnen. Wenn es bisher noch nicht passiert ist, heute muss damit begonnen werden. Jeder einzelne Tag zählt!

8. Nutzt du privat Social Media? Wenn ja, welche Kanäle?
Beruflich bin ich auf Twitter aktiv. Privat sind meine Social Media Aktivitäten nahezu bei null angekommen. Ich verbringe die Zeit lieber mit der Familie, beim Freizeitsport oder mit dem Fliegerhobby.

9. In der Online Marketing Welt ist es ja nicht immer einfach, private Kontakte und Business Kontakte im Social Web voneinander zu trennen. Vielleicht möchtest aber auch gar keine strikte Trennung dieser beiden Bereiche? Wie verfährst du hier?
Das stimmt schon, die Trennung ist schwer. Ich betrachte zahlreiche Branchenkollegen als Freunde. Mit denen kommuniziere ich dann allerdings auch im nicht öffentlichen Raum. Zahlreiche Kanäle erlauben eingeschränkt sichtbare Beiträge. Oder gar komplett private Profile, wie z. B. Instagram. Eine vollständige Trennung für jemanden, der regelmäßig in der Öffentlichkeit an Konferenzen als Redner teilnimmt, ist aber sehr schwer. Damit muss man als Event Speaker eben umgehen lernen, es ist ein Teil von dem Job.

10. Im Frühjahr 2017 hast du auf der »SEOCampixx« einen Vortrag zum Thema „Baut mehr Links“ – „Remove Links“ gehalten. Kannst du die wichtigsten Aspekte deines Vortrags noch einmal kurz für unsere Leser wiedergeben?
Linkaufbau bleibt seit Jahren ein spannendes Thema. In Kürze: es ist sehr wichtig nach wie vor Links aufzubauen, allerdings keine Links, die möglicherweise PageRank weitergeben, sondern Links, die konvertierenden Traffic auf die Website lenken. Alles andere, insbesondere Linkaufbau mit dem PageRank Hintergedanken, ist eine veraltete Herangehensweise. Und zumindest fahrlässig auch noch dazu, denn Google behält sich ja das Recht vor Websites, die des PageRank Linkaufbaus verdächtigt werden, zu bestrafen. Von dem Penguin Algorithmus ganz zu schweigen. Deswegen: Links aufbauen: ja, unbedingt, aber die richtigen Links. Es gibt dazu einen interessanten Artikel verfasst von Fili Wiese, der den Titel How to build links for mind-blowing growth trägt. Sehr lesenswert!

Interview Part 2: Ansichten zu Fehlern im SEO und Social Media als Rankingfaktor

1. Was machen viele Unternehmen deiner Meinung nach (leider) oft beim SEO falsch?
Ohne zu pauschalisieren, kann man sagen, dass neun von zehn Unternehmen ihre Serverlogs gar nicht aufzeichnen oder nicht lange genug aufbewahren. Das ist ein grober Fehler. Vielfach wird der bewussten Steuerung des Crawl Budgets keine Priorität eingeräumt, was jede noch so wohl durchdachte SEO Initiative von vornherein ins Leere laufen lässt. Es spielt ja keine Rolle wie toll eine Website optimiert worden ist, wenn Google über ein Jahr braucht um sie nur einmal komplett neu zu crawlen.

Es kommt oft vor, dass SEO Prioritäten komplett verkehrt sind, etwa den Traffic zu maximieren, was ja nicht zwangsläufig eine Steigerung der Konversion Rate zur Folge hat. Da ist häufig sehr viel Aufklärungsarbeit gefragt.

Nicht selten werden historisch bedingte Risiken unter den Tisch gekehrt, mit der Begründung, dass z.B. dies “alles alte Links seien”. Ein gefährliches Vorgehen, das nicht selten ein böses Erwachen zur Folge hat, wenn sich herausstellt, dass Google sich auch an alten Katalog Links stören kann.

Nicht zuletzt ist die Erwartungshaltung der Entscheider mit den Realitäten der SEO Welt nicht vereinbar. Schnelle, sogar sofortige Ergebnisse werden teilweise gefordert, wo realistisch mit Zeiträumen von mehr als sechs Monaten zu rechnen ist. Wiederum ist der erfahrene SEO Berater gefordert um das In-house Online Marketing Team aus der Schusslinie zu nehmen und grundlegende Aufklärungsarbeit zu leisten.

2. Inwieweit können Unternehmensprofile auf Social Media für das Google Ranking relevant sein?
Sie sind es nicht, zumindest nicht als ein SEO relevantes Signal. Allerdings hat jeder Brand, der was auf sich hält, den einen oder anderen Social Media Kanal parat, um das eigene Bild in der Öffentlichkeit zu kreieren. Und – weitaus wichtiger – mit der angepeilten Zielgruppe in einen Dialog zu treten. Auf die Art und Weise kann man herausfinden, wo es an der eigenen Marke hapert. Social Media ist ein ausgezeichnetes Werkzeug, um die eigene Zielgruppe besser zu verstehen, was für das Pflegen des Alleinstellungsmerkmals sehr wichtig ist. Ohne ein prägnantes Alleinstellungsmerkmal ist langfristig an gute Google Sichtbarkeit nicht zu denken, weshalb Social Media sehr wichtig ist.

3. Glaubst du, Google ersetzt die organischen Suchergebnisse irgendwann vollständig durch bezahlte Anzeigen?
Nein.

4. Und noch eine abschließende Frage: Es gibt Unternehmen, die der Meinung sind, dass (gute) Suchmaschinenoptimierung nicht so wichtig ist. Wie würdest du diese Unternehmen vom Gegenteil überzeugen?
Das würde ich erst gar nicht versuchen. Es gibt genug Unternehmen, die sich der Bedeutung von SEO für den eigenen Online-Erfolg bewusst sind und konstruktiv daran arbeiten möchten. Mit solchen Unternehmen als Partnern sind spektakuläre Erfolge möglich und solche Unternehmen nehmen wir als potenzielle Kunden in Betracht.

Vielen lieben Dank Kaspar, dass du unsere Fragen so ehrlich beantwortet hast! Wir wünschen dir weiterhin viel Erfolg!

Frage an unsere Leser: Steuert ihr das Crawl Budget eurer Webseite bereits? Nicht nur Kaspar, sondern auch wir sind der Überzeugung, dass das zur Verfügung stehende Crawl Budgets optimal genutzt werden sollte, damit Google die relevantesten Seiten eurer Webseite „erkennen“ und crawlen kann.

 

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