Interview mit Thomas Promny

03. April 2009 von Christian Posratschnig

Thomas Promny, einer der auffälligsten Erscheinungen in der SEO-Szene, über sich und seine Arbeit.

Das Interview für ABAKUS führte Christian Posratschnig (Viggen)

Viggen: Hallo Thomas, einer ausführlichen Vorstellung bedarf es ja nicht wirklich, jedoch für jemanden der noch nie etwas von dir gehört hat, erklär mal mit ein paar kurzen Worten wer dieser Promny ist und was er so treibt.
Thomas Promny: Der Promny lässt sich ungern auf das Thema SEO reduzieren. ;-) Er ist seit 10 Jahren Internet-Unternehmer und beschäftigt sich gern und viel mit Online Marketing, insbesondere dem Suchmaschinenmarketing, aber bei weitem nicht ausschließlich.

Viggen: Meine früheste (virtuelle) Bekanntschaft mit dir war vor fast 6 Jahren im Abakusforum, du hast dort mit einer deiner ersten Beiträge gefragt ob Suchmaschinen einen Spammer verklagen können. Wäre es fair zu sagen das deine ersten Schritte im SEO-Bereich vom zu-spammen der Suchmaschinen geprägt war, und wie stehst du heute zu deiner „Sturm und Drang Zeit“?
Thomas Promny: Ja lustig, die alten Forenpostings muss ich auch mal wieder lesen, wenn ich Zeit hab. :)

Allerdings bin ich keineswegs an das Suchmaschinenthema mit solchen Plänen herangegangen. Ich habe experimentiert und zunächst nur ganz „normale“ Seiten wie lustich.de, eine meiner ersten eigenen und nach wie vor sehr erfolgreichen Webseiten, nach vorn gebracht damit. Das erste Blackhat-Projekt ist dann rein zufällig, sogar aus Versehen entstanden. Ich weiß, das glaubt mir niemand, stimmt aber trotzdem. Passiert mir öfter, dass zufällig die spannendsten Ideen entstehen.

Die späteren Blackhat-Projekte entstanden natürlich nicht aus Versehen, sondern waren zu der Zeit einfach die beste Möglichkeit, SEO-Know-How zu monetarisieren. Das war sicher nicht so nett wie hungernde Kinder in Afrika zu retten, aber wirtschaftlich absolut legitim. Ich habe bisher sehr wenige Leute kennen gelernt, die es nicht genauso gemacht hätten, wenn sie es gekonnt hätten.

Viggen: Gab es einen speziellen Moment an dem du gemerkt hast das du vom Internet leben kannst?
Thomas Promny:Genauer gesagt waren das mehrere. Schon mit 19 Jahren während meines Abiturs im Jahr 2000 habe ich, damals allerdings noch eher viral und nicht SEO-getrieben, Traffic generiert und von klassischer Display-Vermarktung ziemlich gut gelebt. Dann kam allerdings auch schon bald die Werbekrise, die v.a. 2001 und 2002 wirklich hart war. Damals habe ich gelernt, dass man in diesem volatilen Geschäft sich nie darauf verlassen sollte, wenn es mal 3 Monate lang sehr gut läuft, dass das auch 3 Jahre so weiter geht. Das hilft mir bis heute sehr. Aber 2003 ging es dann wieder umso steiler bergauf und seit dem musste ich mir glücklicherweise nie wieder Gedanken machen, wie ich die nächste Tankfüllung bezahle.

Viggen: Was war dein erster Gedanke, als im Jahre 2006 Matt Cutts im Interview mit Mediadonis explizit deinen Namen im Zusammenhang mit Deutschen Spam erwöhnte?
Thomas Promny: Das hat Marcus ihm doch nur in den Mund gelegt, oder? ;-) Mir war jedenfalls klar, dass die damaligen Projekte auf dem Radar von Google waren, die Dimensionen wurden mir allerdings erst später wirklich klar. Waren schon spannende Zeiten.

Viggen: Ab wann wird bei SEO aus der Optimierung eine Manipulation?
Thomas Promny: Wenn die Suchmaschinen es wollen. Das macht nicht immer Spaß, aber man gewöhnt sich ja dran. Linkkauf war früher kein Problem, jetzt ist es böse. Nur eins von vielen Beispielen.

Aber das war ja auch absehbar, ohne diese Maßnahmen würde es Google ja auch nicht mehr geben: Alles, was manipulativ funktioniert, wird verboten und dann algorithmisch bekämpft. Daraus lässt sich ja auch relativ einfach ableiten, wie es weiter geht: Am Ende gibt es nur noch guten Content, den wir alle brav strukturiert und in der jeweils gewünschten Form Google zum Fraß vorwerfen. Ganz so spannend wie früher ist es dann nicht mehr, aber ein Geschäft wird es noch lange sein.

Viggen: Welche Themen werden im Jahre 2010 die SEOs beschäftigen?
Thomas Promny: Ich gehe davon aus, dass 2010 der Rest der offensichtlich gekauften Links wirkungslos sein wird. Es wird also noch mehr als jetzt schon den Hype um Linkbaiting, SMO usw. geben. In den Nischen wird es aber auch immer noch Platz geben für spannende neue Konzepte, z.B. solche, die die neuen Universal Searches, die es geben wird, oder die Mobile Suche als erste schlau bedienen mit SEO-Projekten.

Viggen: Welche Bedeutung haben für dich Soziale Netzwerke; beruflich wie privat?
Thomas Promny: XING ist ein super Kontaktmanagement-Tool, aber viel mehr leider nicht mehr. Mittlerweile ein Beispiel für ein zunächst zu Recht sehr erfolgreiches, dann aber viel zu schnell viel zu schwerfällig gewordenes Unternehmen. Aber das gibt’s ja auch im Search-Bereich oft genug, siehe Miva und Overture/Yahoo, die das gleiche Schicksal treffen wird. Facebook finde ich sehr spannend, nutze ich gern und viel, Twitter ebenso. Sicher werden sich hier auch in Zukunft noch spannende Möglichkeiten für Guerilla Marketer auftun, aber wahrscheinlich nicht mehr so einfach und profitabel wie SEO vor 2007.

Viggen: Deine Hauptarbeit liegt ja im Moment bei Gimahhot, einem Shopping-Portal wo man feilschen kann, wie bist du zu diesem Projekt gekommen und was ist dort deine Aufgabe.
Thomas Promny: Durch einen glücklichen Zufall in Form eines gemeinsamen Freundes habe ich meine beiden Partner bei Gimahhot kennen gelernt, als sie gerade in der Entwicklung der Plattform waren. Ich fand die Idee sofort großartig und bin eingestiegen. Seit dem bin ich Gesellschafter und Geschäftsführer Marketing und PR bei Gimahhot und sehr glücklich damit.

Viggen: Wird es Gimahhot in Zukunft auch in anderen Ländern geben?
Thomas Promny: Ja, das ist wahrscheinlich.

Viggen: Ich sehe auf Gimahhot kein Affiliate Programm, die Banner gibts ja schon für die Anbindung, also plant ihr in der Richtung was?
Thomas Promny: Ja das planen wir, Affiliate wird sicher auch in unserem Marketingmix langfristig nicht fehlen, aber derzeit noch nicht so konkret, dass ich ein Startdatum verkünden kann.

Viggen: Auf Gimahhot ruft Ihr zum Klimaschutz auf und spendet für jede Seite die diesen Banner hat 10 Euro an das WWF. Ist das reines Marketing oder doch ein ehrliches Anliegen, was ist dein privater Beitrag zum Thema Klimaschutz?
Thomas Promny: Mit der Aktion schaffen wir eine klassische Win-Win-Situation: Natürlich ist sie durch die Spenden ein ziemlich direkter Beitrag zum Umweltschutz und darüber hinaus schaffen wir damit auch Bewusstsein für das Thema. Auch das ist nicht zu verachten im Effekt, denke ich. Nicht zuletzt erhöhen wir damit unsere Markenpräsenz im Netz und generieren Links, natürlich ist das auch schön für uns.

Mein privater Beitrag zum Klimaschutz ist sicher nicht einer der größten. Ich fahre kaum außerhalb Hamburgs mit dem Auto sondern nehme meistens die Bahn, nicht zuletzt, weil man da auch besser arbeiten kann. Allerdings fliege ich auch relativ viel, fahre in der Stadt schon täglich mit dem Auto und esse gern Fleisch, insofern gehöre ich persönlich bestimmt nicht zu den Menschen mit dem geringsten negativen Umwelteinfluss.

Viggen: Beschreibe doch einmal deinen Schreibtisch. Was gefüllt dir am besten/am wenigsten wenn du ihn dir ansiehst und fehlt was, das eigentlich unbedingt dort hingehören sollte?
Thomas Promny: Ich bin sehr viel unterwegs und arbeite nicht allzu viel wirklich an meinem festen Schreibtisch. Dennoch habe ich sowohl zu Hause als auch bei Gimahhot welche und die sehen nicht so spektakulär aus. Im Büro gefüllt mir am besten mein Kalender mit Bildern von meinen Katzen und zu hause liegen eben die Katzen selbst drauf. :) Sachen die mir nicht gefallen sind natürlich nicht da, denn ich bin sehr konsequent im Wegwerfen von unsinnigen Sachen. Was da fehlen könnte, füllt mir nicht ein.

Viggen: Aufschieberitis, ist das ein Thema für dich? Wie schwer/leicht füllt es dir Dinge anzupacken und vor allem zu Ende zu bringen?
Thomas Promny: Kein Problem für mich. Kann mir nicht so recht vorstellen, wie man als Unternehmer Probleme haben kann mit der Arbeitsmotivation. Im Gegenteil habe ich manchmal ein Problem, dass ich nach 3-4 Tagen Urlaub anfange, am Pool den Laptop rauszuholen, aber da mir die Arbeit Spaß macht, kein Problem.

Viggen: Woody Allen sagte einmal “ Das Leben besteht zu drei Vierteln daraus, sich sehen zu lassen „, genießt du die Aufmerksamkeit oder ist es mehr lästige Pflicht und einfach Teil einer Selbstvermarktungs-Strategie?
Thomas Promny: Ich mag es, wenn mich Leute aus der Szene kennen und erkennen, stehe nicht ungern auf Bühnen. Wenn mich allerdings Leute in der Kneipe erkennen, wo ich ohne Business-Kontext unterwegs bin, was komischerweise auch schon mal passiert, das stresst mich schon eher, das würde ich ungern allzu sehr ausbauen.

Viggen: Mit dem Erfolg kommt der Neid, wie gehst du mit Kritik an deiner Person um?
Thomas Promny: Sachliche Kritik nehme ich gern auch an, beantworte sie auch meistens. Polemik ignoriere ich eher.

Viggen: Mit dem Erfolg kommt auch das Geld, wofür gibst du zu viel davon aus?
Thomas Promny: Ich gebe nicht zu viel Geld aus, aber ich spare zum Beispiel nicht an meiner Wohnung, am Essen und auch nicht an Hotels. Bereiche in denen man mit überschaubarem Einsatz sehr viel zusätzliche Lebensqualität kaufen kann.

Viggen: Sparen für das Alter, ist das ein Thema mit dem du dich auseinandersetzt? Was macht Promny mit 50?
Thomas Promny: Ich bin froh, wenn meine Pläne für die nächsten 2-3 Jahre halbwegs eintreffen, aber 23 Jahre im Voraus zu planen finde ich verrückt, keine Ahnung. Natürlich lege ich Geld zurück in Bar, investiere welches in neue Unternehmen und habe ein paar Aktien, aber keine spektakulären Strategien.

Viggen: Ich öffne in diesen Moment deinen Kühlschrank, was ist da alles drin?
Thomas Promny: Mango-Lassi, sehr lecker! Und noch vieles leckere sonst.

Viggen: Der Titel deiner Biografie wird wie lauten?
Thomas Promny: Damit würde ich an deiner Stelle eher nicht rechnen, das wäre mir zu direkte und offensichtliche Selbstdarstellung. Ich schreibe aber ganz gern, kann mir vorstellen, das am Pool öfter mal zu machen später.

Viggen: Welche Frage hätte der 19-jährige Thomas Promny heute an dich gestellt?
Thomas Promny: Wahrscheinlich keine inhaltlich besonders sinnvolle. Insbesondere unternehmerisch war der damals noch ziemlich planlos. Aber vielleicht ist das ja auch ganz gut so, um sich möglichst lange möglichst viel Flexibilität zu erhalten.

Viggen: Danke für das Interview!
Thomas Promny: Danke auch, Glückwunsch zu den teilweise sehr innovativen Fragen.

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8 Antworten zu “Interview mit Thomas Promny”

  1. […] schrieb am 3. April 2009 Thomas Promny im Interview mit Christian Posratschnig (Viggen) im Abakus Blog über Blackhat und wie sich das Online-Marketing Geschäft aus der Sicht eines Internet […]

  2. […] Nachtrag – noch ein Interview mit Thomas Promny bei Abakus – Hut ab – gute Fragen (& […]

  3. […] Abakus SEO Blog ist zurück und gleichzeitig auch Viggen. Aktuell gibt es z.B. ein recht interessantes Interview mit Thomas Promny. […]

  4. markus sagt:

    Schönes Interview, auch mal mit ein paar Fragen die man nicht erwartet hätte! :-)

  5. Florian Stelzner sagt:

    Nettes Interview und vor allem sehr schöne Fragen. Hätte mir vielleicht noch ne Gina-Hot-Frage gewünscht ;-)

  6. […] Interview mit Thomas Promny – Urgestein interviewt Urgestein – welcome back Viggen! […]

  7. Ein zweifelnder Gast sagt:

    Ich weiß beim besten Willen nicht ob ich Personen wie Markus Promny für voll nehmen soll und zwar aus folgendem Grund: Wir waren letztes Jahr bei Alan in Hannover auf der SEM SEO Konferenz, hier hat Markus auch…..ich nenne es mal…..eine Ansprache gehalten. Er warnte davor Unilinks zu kaufen und auch andere ähnliche Dinge. Noch während wir im Saal saßen haben wir einen Backlinkcheck auf seine Gimahhot gemacht und….eieie….jede menge Unilinks. Ich glaubt doch alle nicht im Ernst das Ihr von den Leuten gute Tips bekommt, denn wer wirklich einen Top Weg gefunden hat wird einen Teufel tun (wenn er Hirn hat) und dies preis geben. Das er erfolgreich ist mag außer Frage stehen, aber das er und Alan Web Euch nicht Ihre Tricks verraten ist ja wohl auch klar. Läßt Euch nicht veräppeln und bezahlt auch noch Geld dafür.

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