Shopware SEO: Relaunch und Weiterleitungen

31. Mai 2017 von Joachim Miltenberger

In den letzten Jahren hat sich Shopware besonders in Deutschland zu einer beliebten Shopsoftware entwickelt. Die Vorteile liegen auf der Hand: Das mit der Version Shopware 5 im Sommer 2015 eingeführte Responsive Theme ist out-of-the-Box schon sehr gut für Suchmaschinen optimiert. Damit erhält der Onlinehändler einen Shop mit mobil optimierten Seiten, durch verbessertes Caching schnelle Ladezeiten und eine gute Performance. Durch Einstellmöglichkeiten im Backend, Einkaufswelten und dem neu eingeführten Storytelling lässt sich der eigene Onlineshop schon sehr weit individualisieren.

Wer noch mehr SEO aus dem Shopsystem herausholen möchte, dem bietet das Open-Source-Shopsystem viele Möglichkeiten der SEO-Optimierung. Weitere interessante Aspekte, die für Shopware sprechen, sind:

  • Ab Version Professional (PE) gibt es eine integrierte Warenwirtschaft und das kostenfreie Shopware-ERP
  • Ab Version 5.2 gibt es kostenfreie Subshop-Lizenzen

So ist es kein Wunder, dass wir immer häufiger mit Onlineshop-Betreibern zusammenarbeiten, die auf Shopware setzen oder zu Shopware wechseln.

Shopware SEO

Im folgenden Beitrag möchten wir unsere Erfahrungen mit der SEO für Shopware 5 und insbesondere den Herausforderungen bei dem Relaunch von Shopware 4 auf Version 5 beziehungsweise von einem anderen Shopsystem zu Shopware 5.x teilen.

URL Design

Bevor der neue Shop aufgesetzt wird und online geht, sollte eine Entscheidung über das URL-Format getroffen werden. Im Standard ist das für die Kategorien gut gelöst:

shopdomain.de/ hauptkategorie/unterkategorie

Aber wie soll man mit den Produktseiten verfahren?  Die beiden folgenden Varianten findet man am häufigsten vor:

  • Shopdomain.de/hauptkategorie/unterkategorie/artikelbezeichnung
  • Shopdomain.de/artikelbezeichnung

In Shopware werden URLs von Produktseiten standardmäßig wie folgt ausgegeben:
hauptkategorie/unterkategorie /artikel-id/artikelbezeichnung

SEO-Router Eintrag Standard:
{sCategoryPath
articleID=$sArticle.id}/{$sArticle.id}/{$sArticle.name}

Auch wenn inzwischen lange URLs gute Rankings erzielen können, spricht vieles dafür die URLs kurz zu halten. In den Suchergebnissen wird die URL komplett dargestellt und enthaltene Keywords werden fett hervorgehoben. Das kann die Klickrate positiv beeinflussen.

Im Backend kann direkt in die SEO-Router Einstellungen eingegriffen werden.

SEO Router Eintrag

In dem folgenden Beispiel wird in der Artikelbezeichnung noch die ID angehängt:

{$sArticle.name}-{$sArticle.id}

Im Gegensatz zum Standard am Ende der URL, so stehen Keywords in der URL weiter vorne. Will man nur die Artikelbezeichnung in der URL geht das natürlich auch:

{$sArticle.name}

Es wäre auch möglich, Inhalte von Freitextfeldern zu nutzen und die Artikel-URL individuell zu gestalten. Hier ein Beispiel für die Abfrage des Attribut-Feld 3. Ist keine individuelle URL editiert, wird per if/else Bedingung einfach der Artikelname verwendet:

{if $sArticle.attr3}
{$sArticle.attr3}
{else}
{$sArticle.name}
{/if}

Das würde bei hunderten von Artikel den Pflegeaufwand enorm erhöhen. Kann jedoch bei wichtigen Artikeln durchaus Sinn machen.

Ebenso kann in den SEO-Router Einstellungen auf das URL-Format von Kategorien, Blog und Landingpages Einfluss genommen werden. Eine tolle Sache, die ganz ohne Programmierkenntnisse und Eingriffe in den Quellcode des Template möglich ist.

Weiterleitungen, das A und O

Steigt ein Shopbetreiber von einem Shopsystem auf ein anderes um, ändert sich immer auch das URL Design. Oder wenn sich Kategorienamen, -zuordnungen bzw. Produktbezeichnungen ändern, ändern sich die URLs.
Klar, das Mindeste ist dann wenigstens die Sitemap.xml zu aktualisieren und darauf zu achten, dass diese in der Google Search Console eingelesen werden kann und dort auch zu verknüpfen. Shopware erzeugt automatisch bei jedem Aufruf durch den Google-Bot eine neue aktuelle Sitemap.

In jedem Fall sollten nach solchen Aktionen die Crawling Fehler in der Google Search Console im Auge behalten werden. Denn allzu oft funktionieren Weiterleitungen nach einem Relaunch aus den verschiedensten Gründen nicht. Mal funktionieren Weiterleitungen nicht wie sie sollen und keiner hat sie getestet, mal werden die Weiterleitungen vergessen.

Natürlich wird Google irgendwann die neuen URLs indizieren und die Error 404-URLs aus dem Index nehmen. Die Frage ist nur wann? Und was passiert inzwischen mit dem Ranking des eigenen Keyword-Set? Ohne funktionierende Weiterleitungen müssen wir leider immer wieder erleben, dass kurz nach dem Relauch von Websites und Onlineshops teilweise massive Verluste in der Sichtbarkeit eintreten.

Ist der Shopware-Shop online und es werden Änderungen an der Produktbezeichnung vorgenommen, leitet Shopware in der Regel automatisch über die Artikel-ID an die neue URL weiter. In dieser Hinsicht hat Shopware die Hausaufgaben gemacht. Denn folgt man den Empfehlungen des Softwareherstellers, verwendet man weiterhin die Artikel-ID in der URL:

{$sArticle.name}-{$sArticle.id}

Damit wird sichergestellt, dass durch diesen Identifier für jeden Artikel ein eindeutiger SEO-Link in die MySQL-Tabelle s_core_rewrite_urls geschrieben werden kann.

Neue URLs und nun?

Bei neuen URLs sollten wir uns kurz in die Lage des Google-Bot versetzen. Für den Suchmaschinen-Bot bedeutet die Umbenennung einer URL das ersatzlose Verschwinden einer URL. Bei der Entstehung einer ganz anderen, neuen URL mit gleichen Inhalten, kann der Crawler keinen Zusammenhang zwischen den beiden URLs erkennen. Es kann sein, dass die neue URL erst Tage später gecrawlt wird. Um einen Bezug herzustellen, müssen wir dem Bot mit dem technischen Hilfsmittel der Weiterleitung auf die Sprünge helfen:

Redirect-301-(moved permanently)

Die alte Webadresse wird somit auf die Neue verwiesen. Wird das versäumt, verfällt die alte Indexierung samt der Rankings und für die neue Webadresse muss das Ranking wieder von Null aufgebaut werden. Zudem würde der Wert aller Backlinks verfallen, die von außen auf die alte interne URLs führen. Bei Weiterleitungen vom Typ 301 wird der Linkjuice an die neue Seite vererbt, bei Redirect 302 leider nicht!

Muster

redirect 301 /seite-alt/ https://www.meine-domain.de/seite-neu

Bei tausenden geänderten URLs kann das Problem entstehen, dass die Datenmenge der Weiterleitungen für die .htaccess einfach zu groß ist und in der Folge ein Serverfehler erzeugt wird. Auch birgt das Arbeiten mit der .htaccess für den wenig erfahren Onlineshopbetreiber immer ein paar Risiken. Ein Fehler kann einen ganzen Block von Anweisungen außer Kraft setzen oder der Server läuft auf einen Fehler und der Shop ist offline.

Mit rewrite Rules kann man das vereinfachen und der Code in der .htaccess wird deutlich verschlankt. Nachfolgend zwei Beispiele, die sich bei einem Systemwechsel eines Kunden von Modified xtCommerce  Shops zu Shopware gut bewährt haben: (In Modified xtCommerce haben Produktseiten immer zwei Doppelpunkte “::“ in der URL. Diese bilden einen Trenner zwischen der Produktbezeichnung und der Artikelnummer, die zusammen den „Dateinamen“ bilden.)

Beispiel:
http://www.mein-shop.de/Produktbezeichnung::4711.html

Alle Artikelnummern werden anhand der zwei typischen :: aus der URL extrahiert, an die Shopware Suche übergeben und automatisch auf den richtigen Artikel weitergeleitet:

RewriteCond %{HTTP_HOST} ^(www\.)?meinshop\.de
RewriteRule ^(.+)[:]{2}([0-9]{5})\.html(.*)$ https://%{HTTP_HOST}/search?sSearch=$2 [R=301,L]

Die Weiterleitung von alten Hersteller URLs des Modified Systems wurde ebenfalls anhand einer Besonderheit in den alten URLs realisiert.

Alt:
http://www.mein-shop.de/hersteller:.:1.html

Neu:
https://www.mein-shop.de/hersteller

Die Rewrite Rule identifiziert den URL durch :.: und nimmt die Endung :.:1.html raus. Schon läuft die Weiterleitung unter Shopware.

RewriteCond %{HTTP_HOST} ^(www\.)? meinshop\.de
RewriteRule ^(.+):\.:(.+)\.html(.*)$ https://www.meinshop.de/$1/ [R=301,L]

Wenn die Möglichkeiten der .htaccess an Grenzen stoßen

Als modular aufgebaute Open-Source-Shopsoftware ist Shopware leicht durch Plugins im Funktionsumfang zu erweitern. So bieten sich auch für Weiterleitungen Plugins von verschiedenen Anbietern an. Damit lassen sich die Weiterleitungen sehr bequem im Backend verwalten und steuern, welcher Art – 301 (moved permanently) oder 302  (moved temporary) – die Weiterleitung sein soll. Auch lassen sich damit Weiterleitungen für Artikel einrichten, die offline gestellt wurden und deren URL nun einen Error 404 erzeugen würde. Die Plugins arbeiten mit MySQL-Tabellen und damit unabhängig von der .htaccess.

Gibt es einen passenden Artikel als Alternative, macht es durchaus Sinn, auf diese URL eine Weiterleitung per Redirect 301 einzurichten. Laut Johannes Müller sind 404 Seiten ganz natürlich und stellen keinen Qualitätsfaktor im Google-Ranking-Algorithmus dar. Wir sind jedoch der Meinung, dass es dem Ranking auch nicht nutzt keine Weiterleitung einzurichten. Falls externe Links auf die Seite führen wird auch kein Linkjuice weitergegeben. Im Sinne der Usability ist es auch nicht hilfreich, den User über Suchergebnisse, externe Verweise oder Bookmarks auf eine Error 404 Seite laufen zu lassen, wenn es doch eine Alternative gibt. Damit wird letztendlich auch das Nutzererlebnis optimiert. Und die Nutzersignale sind für Google auch ein Rankingfaktor.

Fazit zur Shopware SEO

Bei einem Relaunch kann man seine Google-Rankings am sichersten bewahren, wenn sich Template, Content und Struktur nicht auf einmal ändern. Das führt schnell zum Totalverlust der Sichtbarkeit und zu einer Neubewertung der Website durch die Suchmaschine.

Fallen URLs weg oder ändert sich die URL-Struktur komplett, ist es essentiell für möglichst jede URL eine 301-Weiterleitung einzurichten. Fehlende Weiterleitungen sind der häufigste Fehler bei dem Relaunch, dem Systemwechsel von CMS (Beispiel: WordPress) bzw. Onlineshop (Beispiel: Shopware) oder der Neustrukturierung der Website.

Sorgen Sie also vor! Crawlen Sie die alte Site vor dem Relaunch und legen Sie sich rechtzeitig eine Liste alter und neuer URLs an.

Weiterführender Link

 

Showing 5 comments
  • Tibor

    Danke für den Beitrag, jedoch vermisse ich eine kleines der allgemeines Problem…

    Wir sitzen gerade vor folgenden Problem, wir haben alte Links zu nicht existierenden Zielen gefunden. D.h. es war uns gar nicht aufgefallen, dass diese eine falsche Verlinkung hatten.
    Innerhalb unseres Shops wurden diese dank eines 404 Plugins direkt auf die Startseite weitergeleitet. Es wäre jedoch besser gewesen wenn dieser direkt auf die entsprechend zu der thematische richtigen Unterseite http://www.magita.de/handtuecher/ weitergeleitet gewesene wären. Für uns stellt sich daher gerade die Frage, wie finden wir diese „Schätze“ der besagte Link war aus dem Jahr 2012, nicht schlecht und auch organisch.
    Eventuell stehen wir nur auf dem Schlauch, und entsprechende Links / Ziele sind in irgendwelchen Logs…
    vg
    tibor

  • Frank

    Hilfreicher Artikel. :-)
    Ergänzung zum Redirect beim Systemwechsel:
    Wer sich traut oder jemanden kennt, der sich traut, kann die Datenbanktabelle, die für die URL-Historie zuständig ist, nutzen, um alte URLs (ohne Parameter) auf die neuen URLs per 301 weiterzuleiten. Anleitungen dazu gibt es im Shopware-Forum.

  • Kamillo Kluth

    Hi!
    Joachim ist im Urlaub, deshalb antworte ich einfach mal. :)

    @Frank: Guter Hinweis mit der Datenbank.
    Bei uns ist es ab und zu so, dass der Kunde die alten Daten nicht gesichert hat und der Umzug aufs neue System schon durch ist. Da erübrigt sich das dann.

    @Tibor: Teile Deiner Links, die einen 404 erzeugen, stammen noch aus der Zeit vor https. Teilweise gibt es auch doppelte Weiterleitungen.
    Auf den ersten Blick sind es ca. 30 Links, die ins leere laufen. Diesen Schatz sollte man zeitnah heben. Die Umleitung zur Startseite ist aus SEO Sicht nicht perfekt. Immerhin hat der User keine Server 404 not found Standardseite.
    Wir haben im SEO Diver die weltweit größte Datenbasis bzgl. Backlinks, da wir bis zu 5 Backlink-Quellen mit einander kombinieren.
    Lösungsmöglichkeit: Du meldest Dich bei uns und bekommst einen Testcoupon für den SEO Diver, machst die Backlink-Analyse selbst. Ansonsten übernehmen wir das natürlich auch gerne.

  • Frank

    Dann ist Fleißarbeit angesagt: Error-Logs durchsehen, Search Console prüfen, …

  • Kamillo Kluth

    Ganz genau! ;)

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