Warum registrieren? Nur als registriertes Mitglied vom ABAKUS Forum hast Du vollen Zugriff auf alle Funktionen unserer Website.

Amazon Affiliate Programm USA (Steuerfrage Kleinunternehmer)

Erfahrungsberichte zu Affiliate-Programmen, Provisionen, Leads, Performance und Rendite.
Neues Thema Antworten
nyanko
PostRank 1
PostRank 1
Beiträge: 7
Registriert: 18.04.2018, 19:47

Beitrag von nyanko » 18.04.2018, 20:08

Hallo,

ich bin Kleinunternehmer und verwende auf meinem Blog das Amazon Affiliate Programm (.com) mit Sitz in den USA.
Hintergrund ist, dass mein Blog auf Englisch ist und die meisten Leser in den USA sitzen.

Ich habe viel recherchiert. Ich habe Steuerberater in meinem Bekanntenkreis gefragt, die sich alle leider nicht mit internationalem Steuerrecht auskennen. Ich habe entsprechende Stellen um Hilfe gebeten. Keiner wollte mir eine konkrete Auskunft geben.

Nun verdiene ich mit meinem Hobbyblog eh nur ein paar mikrige Kröten und muss nur eine EÜR abgeben. Dennoch muss ich wissen, wie ich das richtig zu versteuern habe. Stichwort Umsatzsteuer.

Einem Steuerberater für sowas monatlich 100€+ zu zahlen, halte ich für massiv übertrieben.

Vielleicht kann mir hier jemand mit mehr Erfahrung Auskunft geben?

So wie ich das verstanden habe, gilt man als Kleinunternehmer bei internationalen Geschäften sowieso als "normaler Unternehmer".
Das heißt ich müsste evtl. die Umsatzsteuer auf die Rechnung schreiben.

Bei vielen EU-Ländern kommt in dem Fall das sog. Reverse-Charge-Verfahren zum Tragen. Also muss man keine Umsatzsteuer abführen.

In Amerika scheint es wohl so zu sein, dass ein Verweis mit "in Deutschland nicht steuerbar" bzw. "Services are non-taxable in Germany" reicht. Man muss als keine Umsatzsteuer auf der Rechnung angeben.

Ist das so korrekt?


P.S.: Ich habe den Amazon-Fragebogen bzgl. Steuern noch nicht ausgefüllt. Ich habe viel im Netz gelesen, dass die vorher 30% whitholding tax abziehen, wenn man da was falsch macht. Leider hab ich nirgendwo was gefunden, wie jemand aus Deutschland diesen Bogen korrekt auszufüllen hat in Amerika. Wenn ihr da also eine Quelle kennt oder ein "How To" wäre ich auch sehr dankbar.


Schon mal vielen herzlichen Dank im Voraus! :)

Vegas
PostRank 10
PostRank 10
Beiträge: 5121
Registriert: 27.10.2007, 14:07
Kontaktdaten:

Beitrag von Vegas » 19.04.2018, 01:26

nyanko hat geschrieben:Ich habe Steuerberater in meinem Bekanntenkreis gefragt, die sich alle leider nicht mit internationalem Steuerrecht auskennen.
So super kompliziert ist das nicht, wenn wir von Affiliateeinnahmen (B2B Dienstleistungen) und üblichen Ländern reden (DE, EU, USA).
nyanko hat geschrieben:Dennoch muss ich wissen, wie ich das richtig zu versteuern habe. Stichwort Umsatzsteuer.
Ja, Umsatzsteuer ist ein sehr heikler Bereich mit äußerst geringer Toleranz seitens des Finanzamts.
nyanko hat geschrieben:So wie ich das verstanden habe, gilt man als Kleinunternehmer bei internationalen Geschäften sowieso als "normaler Unternehmer". Das heißt ich müsste evtl. die Umsatzsteuer auf die Rechnung schreiben.
Ja, im Ausland bist Du "normaler" Unternehmer, dennoch mußt Du keine Umsatzsteuer auf die Rechnung schreiben. EU -> Reverse Charge, USA -> nicht steuerbare Umsätze Drittland.
nyanko hat geschrieben:Bei vielen EU-Ländern kommt in dem Fall das sog. Reverse-Charge-Verfahren zum Tragen. Also muss man keine Umsatzsteuer abführen.
Bei allen EU Ländern. Aber Vorsicht: Du mußt Dir mit EU Geschäft dennoch eine UStID besorgen und auch brav Umsatzsteuervoranmeldungen und Umsatzsteuererklärungen sowie zusammenfassende Meldungen (ZM) abgeben.
nyanko hat geschrieben:In Amerika scheint es wohl so zu sein, dass ein Verweis mit "in Deutschland nicht steuerbar" bzw. "Services are non-taxable in Germany" reicht. Man muss als keine Umsatzsteuer auf der Rechnung angeben. Ist das so korrekt?
Ja.

nyanko hat geschrieben:Ich habe den Amazon-Fragebogen bzgl. Steuern noch nicht ausgefüllt. Ich habe viel im Netz gelesen, dass die vorher 30% whitholding tax abziehen, wenn man da was falsch macht. Leider hab ich nirgendwo was gefunden, wie jemand aus Deutschland diesen Bogen korrekt auszufüllen hat in Amerika. Wenn ihr da also eine Quelle kennt oder ein "How To" wäre ich auch sehr dankbar.
https://partnernet.amazon.de/tax-interv ... cale=de_DE Kurz: Die brauchen Deine Steuernummer, dann werden auch keine 30% abgezogen. Die nicht-amerikanische TIN bzw. Einkommenststeueridentifikationsnummer ist schlicht die Steuernummer, die Du vom Finanzamt hast und die auf jedem Steuerbescheid oder Brief vom Finanzamt zu finden ist (nicht die UStID).


Allgemein: Die Kleinunternehmeregelung im Bereich Online Marketing komplett sinnfrei, denn Unternehmer als Kunden haben im Gegensatz zu privaten Kunden keinerlei Vorteil, wenn Du Rechnungen ohne Mehrwertsteuer schreibst. Zudem hast Du, sobald Du Einnahmen aus dem Ausland hast, den exakt gleichen Aufwand mit Erklärungen und Voranmeldungen wie jeder andere Unternehmer. Die Kleinunternehmerregelung wurde eigentlich geschaffen, damit z.B. ein Handwerker der Endkunden bedient und sich gerade selbstständig macht einen kleinen Wettbewerbsvorteil hat, weil er bei gleichem Preis für den Kunden mehr verdient bzw. günstiger sein kann als die etablierten Wettbewerber, ohne weniger zu verdienen.

Last but not least: Alles keine Steuerberatung!
Forward Up >> Suchmaschinenoptimierung >> SEO Notaufnahme >> SEO Audits >> SEM >> ORM

Johnny1885
PostRank 4
PostRank 4
Beiträge: 143
Registriert: 23.03.2006, 09:59

Beitrag von Johnny1885 » 19.04.2018, 09:34

Vegas hat geschrieben: Ja, im Ausland bist Du "normaler" Unternehmer, dennoch mußt Du keine Umsatzsteuer auf die Rechnung schreiben. EU -> Reverse Charge, USA -> nicht steuerbare Umsätze Drittland.
Hast du dazu ein Urteil?
Habe gestern Brief vom FI-A bekommen dass ich die UST abführen soll trotz Hinweis auf Reverse Charge Verfahren.

Grus

nyanko
PostRank 1
PostRank 1
Beiträge: 7
Registriert: 18.04.2018, 19:47

Beitrag von nyanko » 19.04.2018, 21:51

Erstmal vielen Dank für die Auskunft, das hat mir schon sehr weitergeholfen.
Allerdings finde ich im Internet viele widersprüchliche Aussagen bzgl. "Umsatzsteuervoranmeldung und ZM als Kleinunternehmer":

"Die Bestimmung, dass KleinunternehmerInnen keine Umsatzsteuer in Rechnung stellen müssen, gilt auch dann, wenn sie Lieferungen oder Leistungen in das Ausland tätigen. Auch hier reicht der Hinweis auf die KleinunternehmerInnen-Eigenschaft auf der Rechnung aus." (Quelle: smartatmobility.com/de/steuern/umsatzsteuer/umsatzsteuer-bei-auslandsgeschaeften/)

Ähnliches auch hier kleinunternehmer.de/faq.htm (geht um Ad-Words, also man empfängt hier ja eine Leistung):
"Vorausgesetzt, beide Unternehmen verfügen über eine Umsatzsteuer-Identifikationsnummer, darf der Leistungserbringer eine umsatzsteuerfreie Nettorechnung stellen. Die Steuerschuld geht dann auf den Leistungsempfänger über. Der Empfänger der umsatzsteuerfreien Rechnung muss den Umsatz bei seiner nächsten Umsatzsteuervoranmeldung angeben. Vorsteuerabzugsberechtigte Unternehmer dürfen den fälligen Umsatzsteuerbetrag sofort wieder als Vorsteuer geltend machen. Da Kleinunternehmer nicht vorsteuerabzugsberechtigt sind, haben sie diese Möglichkeit nicht. Die von Kleinunternehmern im Rahmen des Reverse-Charge-Verfahrens gezahlte Umsatzsteuer stellt also – wie bei Privatpersonen – einen echten Kostenbestandteil dar. "


Also ich verstehe es eher so, dass man nur eine Umsatzsteuervoranmeldung als Kleinunternehmer machen muss, wenn man Leistungsempfänger von "innergemeinschaftlichen Geschäften" ist?
Und man kann sich natürlich die Umsatzsteuer nicht mehr zurückholen als Kleinunternehmer, aber das ist ja eh bekannt.

@Johnny1885: Zu dem Thema gibt es online einiges. Offenbar kommt es immer mal wieder vor, dass das Finanzamt falsch liegt, weil sie sich selber mit diesen "neuartigen Onlinegeschäften" nicht richtig auskennen. Notfalls würde ich mir einen Steuerberater holen .....

Hanzo2012
Community-Manager
Community-Manager
Beiträge: 1714
Registriert: 26.09.2011, 23:31

Beitrag von Hanzo2012 » 20.04.2018, 09:40

Es handelt sich dabei um eine "sonstige Leistung" an ein Unternehmen. Der Ort der sonstigen Leistung ist dann der Sitz des Leistungsempfängers (also Amazon USA), damit ist diese Leistung in Deutschland nicht steuerbar. Du musst definitiv keine Umsatzsteuer auf diese Einkünfte zahlen, unabhängig davon, ob du Kleinunternehmer bist oder nicht. Dem Finanzamt kannst du diesen Paragraphen nennen:
§3a (2) Umsatzsteuergesetz hat geschrieben:Eine sonstige Leistung, die an einen Unternehmer für dessen Unternehmen ausgeführt wird, wird vorbehaltlich der Absätze 3 bis 8 und der §§ 3b, 3e und 3f an dem Ort ausgeführt, von dem aus der Empfänger sein Unternehmen betreibt. (...)

nyanko
PostRank 1
PostRank 1
Beiträge: 7
Registriert: 18.04.2018, 19:47

Beitrag von nyanko » 20.04.2018, 20:44

So hatte ich es auch verstanden.

Und dann muss ich doch in so einem Fall auch keine Zusammenfassende Meldung oder Umsatzsteuervoranmeldung machen. Wofür auch?

Hanzo2012
Community-Manager
Community-Manager
Beiträge: 1714
Registriert: 26.09.2011, 23:31

Beitrag von Hanzo2012 » 20.04.2018, 21:13

Zusammenfassende Meldung ist nur für EU-Geschäfte. Umsatzsteuer musst du zwar nicht zahlen, aber in der USt-Voranmeldung gibt es immerhin für extra eine Zeile dafür.

nyanko
PostRank 1
PostRank 1
Beiträge: 7
Registriert: 18.04.2018, 19:47

Beitrag von nyanko » 20.04.2018, 21:18

EU-Geschäfte: also Google Adsense z.B.

Das heißt, wenn ich Kleinunternehmer bin und mit Google Adsense Einnahmen generiere, dann muss ich trotzdem eine zusammenfassende Meldung tätigen?

Hanzo2012
Community-Manager
Community-Manager
Beiträge: 1714
Registriert: 26.09.2011, 23:31

Beitrag von Hanzo2012 » 20.04.2018, 21:22

Ja, AdSense und Amazon EU beispielsweise.
Ja, die ZM musst du abgeben. Ist kein großer Akt, das ist das einfachste Formular von allen :)

Nachtrag: Nein, Kleinunternehmer müssen keine ZM abgeben!
Zuletzt geändert von Hanzo2012 am 21.04.2018, 00:30, insgesamt 1-mal geändert.

nyanko
PostRank 1
PostRank 1
Beiträge: 7
Registriert: 18.04.2018, 19:47

Beitrag von nyanko » 20.04.2018, 21:52

"Da die Meldungspflicht der ZM für umsatzsteuerberechtigte Unternehmen und Unternehmer gilt, sind Kleinunternehmer nach § 19 Abs. 1 UStG davon befreit, die Meldung einreichen zu müssen. Hingegen sind pauschalierende Land- und Forstwirte bei innergemeinschaftlichen Lieferungen und Dreiecksgeschäften zur Meldung verpflichtet, obwohl diese Geschäfte auf EU-Ebene nicht steuerbefreit sind." (Quelle)


Und hier steht sogar, dass man als Kleinunternehmer niemals Umsatzsteuer abführen muss, egal ob EU- oder Drittlandgeschäft.
Das hört sich aber irgendwie falsch an ....

Hanzo2012
Community-Manager
Community-Manager
Beiträge: 1714
Registriert: 26.09.2011, 23:31

Beitrag von Hanzo2012 » 21.04.2018, 00:29

Ach ja, da habe ich mich vertan. Habe auch mal bei mir nachgeschaut: Ich habe erst angefangen ZMs abzugeben, als ich kein KU mehr war. Sorry für die Verwirrung.

Antworten
  • Vergleichbare Themen
    Antworten
    Zugriffe
    Letzter Beitrag