Gefährliches Halbwissen beim Aufbauen von Links

von Alan Webb

Alan Webb, renommierter SEO-Experte und Geschäftsführer von ABAKUS Internet Marketing, stellt seine ganz persönliche Betrachtung und Regeln vor, die es beim langfristig erfolgreichen Linkaufbau unbedingt zu berücksichtigen gilt.

Als Engländer gibt es für mich im deutschen einige Ausdrücke und Bezeichnungen, die ich ungern ins englische übersetze, weil sie einfach zu gelungen sind. Einer meiner Favoriten ist der Ausdruck „gefährliches Halbwissen“, der gerade im Bereich der Suchmaschinenoptimierung (SEO) fatale Auswirkungen haben kann. Denn ein zu geringes Sachverständnis kann Webseitenbetreiber, gerade beim Linkaufbau, in ernsthafte Schwierigkeiten für das eigene Ranking bis hin zu Abstrafungen von Google bringen.

Aus diesem Grund möchte ich in meinem Beitrag ein paar, aus meiner Sicht essentielle, Fallgruben vorstellen, in die Sie beim Linkaufbau tappen können. Grundsätzlich möchte ich dabei betonen: Ich bin nicht Google. Ich berichte anhand meiner persönlichen, rund zehnjährigen SEO-Erfahrungen, die ich in zahlreichen Tests und Analysen gesammelt habe. Auch wenn einige der nachfolgenden Punkte möglicherweise bisher nicht von Google & Co. umgesetzt worden sind, so lohnt es sich aber immer, auf den für Google „logischen“ und damit „seriösen“ Linkaufbau zu achten. Denn auch wenn es aktuell nicht Teil des Algorithmus ist, muss das in Zukunft nicht so bleiben.

1. Satelliten-Domains

Eine der wirksamsten Möglichkeiten für erfolgreiches Linkbuilding war früher die Strategie, zahlreiche Domains auf einem virtuellen Server zu registrieren und mit wenig Aufwand (sprich Inhalt) von dort auf die Hauptdomain zu verlinken. Google & Co. sahen in diesen Links Inhalte zum gleichen Thema und haben sie deswegen für die Hauptseite gewichtet. Dieser „Trick“ hat so lange funktioniert, bis der so genannten „Trustrank“ Bestandteil des Google Algorithmus wurde (2004). <<. Trotzdem denken nach wie vor viele Webseitenbetreiber, mit diesem Trick erfolgreich sein zu können. Erst kürzlich sprach mich ein Kunde darauf an:

Beispiel:

Kunde: „Herr Webb, warum erstellen wir nicht einfach 30 neue Domains auf unserem Server, installieren dann einen Themen relevanten Word-Press-Blog und verknüpfen sie alle mit unserer Hauptseite? Wir haben so viele Domains registriert, die derzeit noch ohne Inhalte sind.“

Meine Antwort darauf:

Natürlich können wir das tun. Aber nur, wenn Sie Google mitteilen wollen, dass Sie ein Link-Spammer sind.“

Lassen Sie es sich gesagt sein: Das funktioniert nicht mehr! Tatsächlich ist es mittlerweile so, dass insbesondere neue Domains eine lange Zeit brauchen, bevor sie überhaupt ein bescheidenes Ranking haben. In den meisten Fällen haben solche Links einfach kein Gewicht. Selbst wenn Sie Domains auf unterschiedlichen IP-Adressen benutzen, klappt es aufgrund des immer weiter dazulernenden Google-Algorithmus nicht mehr. Zudem könnte es passieren, dass Sie durch solch eine Aktion das Vertrauen von Google in eine Website reduzieren und damit ein bereits erreichtes Ranking sogar negativ beeinflussen.

Link-Diversifizierung (LD)

Es gibt eine ganze Reihe unterschiedlicher Link-Diversifizierungen, für die Google über Kennzahlen und Daten unnatürliche Verlinkungsmuster erkennen kann. Bei Verdacht auf unnatürlichen Linkaufbau werden die entsprechenden Domains mit einer „Warnleuchte“ versehen, damit dann final das „Search Quality Team“ diese Domains überprüfen kann.

1. Seitentyp

Wenn eingehende Links fast ausschließlich von Blogs, aus Foren oder ausschließlich aus Artikelverzeichnissen kommen, erkennt Google das als unnatürlichen Linkaufbau bzw. fehlenden Link-Mix.

Eine normale Seite beginnt in der Regel mit ein paar Webkatalogen, dann ein paar Blog-Links, vielleicht gelegentlichen Forum-Links und eventuell ein hochqualitatives Verzeichnis. Diese Art von Verlinkungen werden auch „Basislinks“ genannt. Links, die permanent vom gleichen Seitentyp aufgebaut werden, gehören zu der Kategorie, wonach ich persönlich nach Spammern suchen würde, wenn ich Google wäre (Suche nach Blog-Kommentar und / oder Forum-Link Spammer, etc.).

2. Ankertext

Der Ankertext (Linktext) gibt Google wertvolle Linkinformationen für die Einschätzung der Link-Diversifizierung.

Stellen Sie sich einfach mal vor, Ihre Domain hat als inhaltliches Thema „Immobilien Berlin“ und der Domainname ist „Muster-gmbh.de“. Derzeit haben 70% der eingehenden Links einen inhaltlichen Ankertext („Immobilen Berlin“) und nur 20% den Ankertext des Firmennamens („Muster GmbH“); weitere 10% der Links haben variierende Texte wie „hier“ oder „weiter“. Einige Links können sogar auch nur Grafiken sein. Vermutlich denken Sie nun intuitiv das Gleiche wie so viele andere auch:

„Das kann ich mir nicht vorstellen, die „Domain-Name/Muster GmbH“-Texte müssten doch viel häufiger sein.“

Das wäre zumindest logisch, denkt sich auch Google. Bei einer natürlichen Verlinkung haben etwa 70% der eingehenden Links die Domain oder den Firmennamen als Linkstext, lediglich 20% verlinken mit „non Keyword“-Begriffen und nur 10% werden für die relevanten Keywords verwendet. In Wirklichkeit ist es oftmals noch viel seltener. Das bedeutet, dass die erstgenannte Beispiel-Verteilung eher abstrafend als erfolgreich wirkt.

Denken Sie immer an diese Verteilung und Sie werden verstehen, warum Keywords als Bestandteil einer Domain, Ordner- oder Dateinamen oft hilfreich für ein gutes Ranking sind.

Wenn Google – vor allem im kommerziellen Bereich – etwas deutlich von der Norm Abweichendes entdeckt, wie einen 50 %igen oder noch größeren Anteil an identischen Ankertexten (sofern er nicht mit dem Domain- oder Dateinamen übereinstimmt), wird die bereits genannte „Warnleuchte“ angehen.

3. Seitenverteilung

Glauben Sie, es ist ein Hinweis auf die hohe Qualität einer Domain oder auch normal für eine Website, wenn alle eingehenden Links ausschließlich auf die Startseite verweisen? Sicherlich nicht! Eine typische Qualitäts-Domain wird nicht nur eine Startseite von guter Qualität haben, sondern ebenfalls auch gute Unterseiten. Alles andere wäre unnatürlich.

Die meisten Link-Spammer neigen dazu, sich beim Linkaufbau nur auf die Homepage und maximal zwei weitere Unterseiten zu beschränken. Ein solches Muster ist für Google leicht erkennbar. Sie sollten also auf jeden Fall auf eine gute Seitenverteilung achten, nicht zuletzt auch als Anzeichen für eine qualitativ hochwertige Seite (gute Verteilung von Deep-Links).

4. Linkwachstum

Ein wirklich klassischer Fehler, der Personen mit „gefährlichem Halbwissen“ unterläuft, ist immer wieder der zu schnelle Linkaufbau. Diese Webmaster hören irgendwo, dass Links wichtig sind – je mehr, desto besser.
Wenn Sie aber viele neue Links erhalten, weil z. B. Seiten wie stern.de oder Spiegel-Online über Sie schreiben, oder wenn es einen TV-Bericht über Ihr Unternehmen bzw. Angebot gab, dann kann Google dies an der Autorität und Typ (News) der Links erkennen und positiv bewerten.

5. Mustererkennung

Links sollten als „Empfehlung“ fungieren oder zumindest einen nützlichen Hinweis darstellen, so ähnlich wie die Wikipedia-Links intern aufgebaut sind. Wir nennen sie redaktionelle Links, da sie in den Kontext des umgebenden Textes passen. Dies ist die Art von thematischen Links, die Sie anstreben sollten.

Früher wurden bezahlte Links meist irgendwo am Rande der Webseite platziert,  heute findet man sie im kontextuellen Bereich auf minderwertigen Seiten. Dabei ist auch die Anzahl der Links und ihre Nähe zueinander entscheidend. Weitere typische Anzeichen inhaltlicher Art sind auch, dass viele der Links nicht zu Websites mit dem gleichen oder ähnlichen Thema verweisen oder nicht relevant zum Thema der Seite sind, auf der sie sich befinden.

Falls Sie einen Verdacht haben, können Sie sogar direkt in ihrer Google Search Console einen Bericht über Mitbewerber absenden, die (vermeintlich) Links kaufen. Im Allgemeinen bauen viele Link Building Service-Firmen und Vermittlungsdienste Links, die Fußspuren (Muster) hinterlassen.

6. Geografie

Wenn eine deutschsprachige Website die Mehrzahl von Links erhält, die aus Russland oder Sites in einer anderen Sprache kommen, dann kann sich jeder denken: Da stimmt etwas nicht. Jeder weiß das und Google eben auch.

Wo glauben Sie, bekommen Link Spammer, manche Link Makler oder bestimmte Marketing Agenturen, sehr preiswerte Links her? Sie gehen Kooperationen mit minderwertigen Seiten ein, die dazu erstellt wurden, Links auf ihnen zu platzieren. Bei der Verwendung solcher Links in großer Anzahl könnte es sein, dass Ihre Site für eine (manuelle) Überprüfung gekennzeichnet wird. Generell ist immer das Verhältnis von Seiten ausländischer, fremdsprachiger Länder im Verhältnis zu den deutschsprachigen Links von Bedeutung.

Haben Sie z. B. nur ein paar Links von sieben bis acht verschiedenen Top-Level-Länder-Domains, die aber insgesamt immer nur einen kleinen Anteil Ihrer gesamten Links ausmachen, dann wird dies nicht als negativ angesehen. Tatsächlich kann dies für ihr Ranking sogar sehr förderlich sein (Host-Score). Das macht auch Sinn, denn wirklich gute Seiten erhalten auf natürliche Weise Links von Webseiten, die sich außerhalb ihres eigenen Landes und sogar der Sprache befinden. Sobald es unnatürlich aussieht (Kauf von vielen solcher Links) können Sie aber in Schwierigkeiten geraten. Vor allem dann, wenn die Links von Sites mit geringer Qualität stammen.

7. Reziproke Links

Die meisten von Ihnen haben sicherlich schon einmal E-Mails erhalten, in denen Ihnen ein Linktausch angeboten wurde, ähnlich dem folgenden Beispiel:

„Sehr geehrter Herr Muster,
ich glaube, Ihre Website ist sehr gut und Sie wissen vielleicht, dass bei Google Links einen hohen Stellenwert für das Ranking haben. Darum schlage ich vor, dass ich Ihre Website verlinke, wenn Sie das ebenfalls mit meiner Site tun ….“

Machen Sie das NICHT! Im schlimmsten Fall ist die angebotene Webseite nicht themenrelevant und bietet für Sie überhaupt keinen Mehrwert. Noch schlimmer wäre, wenn die fremde Website nach einigen Monaten beginnt, wie verrückt zu spammen oder zu einer Viagra-Spam oder Porno-Website umgeleitet wird. Und mal im Ernst: Werden Sie wirklich nach Monaten Ihre Links überprüfen, um sicherzustellen, dass die Zielseiten auch dann noch einwandfrei sind? Die Realität ist, dass sich die allermeisten Menschen nicht darum kümmern.

8. Spezielle Stolpersteine

Abschließend möchte ich Ihnen noch von einer wahren Geschichte von einem Webdesigner berichten, der ein fantastisches WordPress Template entwickelt hat.

Wie in solchen Fällen üblich, fügte er einen Link zu seiner Website in das Template ein, wobei er die für ihn wichtigsten Keywords als Linktext verwendete. Pech für ihn war zum einen, dass sich der Link in der Fußzeile befand und er immer den gleichen Ankertext hatte. Zum anderen aber auch, dass sich sein Template als sehr beliebt erwies, und zwar auch bei Porno / Online-Apotheken und anderen spammy WordPress-Websites. Vier der Punkte, über die ich bereits oben geschrieben habe, trafen somit auf dieses „erfolgreiche“ Template zu. Der Webmaster hatte dieses Template zwar nicht vorrangig deshalb entwickelt, weil er sein Ranking pushen wollte, sondern weil er gerne in seiner Freizeit Templates entwickelt (und quasi nebenbei seine Firmenwebsite pushen wollte).

Das Ergebnis: Eine Katastrophe! Das Google Ranking fiel wie ein Stein für die Keywords aus dem Linktext des Templates.

Was konnte er tun, um die Links von allen bereits installierten Themes zu entfernen? (Realistisch gesehen kann er es nicht und sie sind immer noch da). Wird Google einer Reconsideration Request bzw. Wiederaufnahme-Anfrage Glauben schenken, dass es nicht seine Absicht war, sie zum Narren zu halten? Nein. Bis heute haben sie es nicht getan.

Das Gleiche kann passieren, wenn ein Widget unkontrolliert eingebunden wird. Das ist ein Stück Code, den ein Webmaster in seine eigene Seite einbinden kann, um ihr einen Mehrwert hinzuzufügen. In der Regel wird so etwas mit einem „powered by <link> xyz </ link>“ kombiniert. Ich zucke zusammen, wenn ich höre, dass die Verbreitung von Widgets ein mächtiges Linkaufbau-Instrument ist (was es definitiv sein kann), ohne, dass der Ratgeber oder Vortragsredner auf die Risiken hinweist und darauf, wie man sie kontrollieren sollte.

Ähnliches gilt für all diejenigen, die planen, einen Seitenzähler-Service zu starten, bei dem ein kleiner Grafik-Button mit einem keywordreichen ALT-Attribut zu ihrer Website verlinkt (mache von Ihnen kennen vielleicht die „Schwester“ dieses Service, den Pagerank-Button). Vergessen Sie es! So etwas funktioniert schon seit längerer Zeit nicht mehr.

Glauben Sie nicht, ich hätte jetzt alles erwähnt, was man beim Linkaufbau vermasseln könnte. Eigentlich gibt es noch viel mehr, aber dieser Artikel ist schon jetzt wesentlich länger, als er eigentlich werden sollte. Daher beschränke ich mich auf die folgende Warnung: ein erfolgreicher Linkaufbau sollte immer natürlich wirken und ein unnatürlicher Linkaufbau erfolgt auf Ihr eigenes Risiko!

Links & Ressourcen

Majestic SEO:
Ein sehr gutes Tool, um Ankertexte von Backlinks zu untersuchen.
(Englisch, Testversion frei, Vollversion kostenpflichtig).
https://majestic.com/

Bing:
Benutzen Sie das folgende Eingabeformat, um nachzusehen, wie viele Backlinks Sie/Ihre Mitbewerber haben:
“linkdomain:www.example.com -site:example.com” (deutsch, kostenfrei)
https://www.bing.com/

Sistrix Tools:
Viele Daten über Links, Keywords, Hosts und Ursprungs-Länder etc.
(Deutsch, kostenpflichtig)
https://www.sistrix.de/

SEO DIVER:
Mit dem Hubfinder-Tool können gemeinsame Linkquellen der Mitbewerber gefunden und ungenutzte Link-Potentiale erkannt werden.
(Deutsch, kostenfrei)
https://seodiver.com/hubfinder.html

Whitepaper der Stanford-University zum TrustRank (engl.):
http://www.vldb.org/conf/2004/RS15P3.PDF