ABAKUS im Gespräch mit Felix Beilharz

25. August 2015 von Anna Pianka

Das Thema „Social Media für Unternehmen“ hat in den letzten Jahren stark an Bedeutung gewonnen und sich aus einem Trend heraus zu einem festen Bestandteil zeitgemäß kommunizierender Unternehmen entwickelt. Aus diesem Grund freuen wir uns besonders, das heutige Interview mit Felix Beilharz zu führen.

Der von der Fachzeitschrift W & V unter die Top 5-Influencer im Online-Marketing gewählte Social Media Experte, vermittelt als Initiator von Veranstaltungen wie der hashtag.business sowie in eigenen Vorträgen Wissen rund um das Thema Social Media Marketing.

Bereits auf der von ABAKUS Internet Marketing veranstalteten SEMSEO 2014 (Konferenz zu SEM und SEO) war Felix Beiharz als Speaker zu Social Media mit von der Partie und stellte sein damals neu erschienenes Buch Social Media Marketing im B2B“ vor, welches gegen eine Spende erworben werden konnte. Der Erlös aus der damaligen Aktion ging an die Organisation „Mehr Aktion! für Kinder und Jugend e.V.“.

ABAKUS im Interview mit Felix Beiharz, Foto von Felix Beilharz

Heute ist Felix Beilharz im Online Marketing bekannter denn je. In unserem Interview erzählt er, was ihn zum Facebook-Fan gemacht hat, wie er sich gutes Social Media für Online-Shops vorstellt und was das Auswärtige Amt in London mit seiner Karriere zu tun hat.

1. Stell dich doch bitte kurz vor, auch wenn dich bereits viele in der Szene kennen.

Ich werde oft von alten Freunden gefragt, was ich eigentlich genau mache :-D. In Kurzfassung: Seminare, Vorträge, Lehraufträge, Beratung und Bücher zu Social Media- und Online-Marketing-Themen. Dazu betreibe ich eine Reihe eigener Projekte zu unterschiedlichsten Themen.

2. Wann und wodurch bist du das erste Mal mit Social Media in Berührung gekommen? Woher resultierte dein Interesse an Social Media?

Meine Online-Marketing-Karriere startete 2001 als Zivi, als ich nebenbei einen Online-Shop aufgebaut habe. Über eine ganze Reihe von Affiliateseiten bin ich dann 2006/2007 in die Unternehmensberatung gerutscht. Und um den Dreh hat auch mein Interesse für Social Media begonnen, weil das Thema da einfach immer mehr um sich gegriffen hat. An Social Media mag ich das direkte Feedback. In vielen Bereichen muss man lange warten, bis man Ergebnisse der Arbeit sieht. Über Facebook und Co. Sieht man oft sofort, wie etwas ankommt (im guten wie im schlechten Sinne). Das motiviert mich, dranzubleiben und macht einfach Spaß.

3. Was magst du am meisten an deinem Job?

Dass es nie langweilig wird. Das Thema ist so unglaublich dynamisch, dass es ständig etwas Neues zu entdecken und zu lernen gibt. Ich mache jetzt z.B. seit 2007 Seminare, habe Tausende von Menschen trainiert, aber immer noch bekomme ich fast jedes Mal eine Frage, über die ich so noch nie nachgedacht habe. Da wird es nie langweilig.

Außerdem mag ich viele Leute aus der Branche. Klar gibt es viele Kasper (wie in jeder Branche), aber auch einen sehr intensiven Austausch. Ich chatte oft nachts um 2 noch mit Kollegen, treffe mich auf Konferenzen mit superinteressanten Leuten (auf oder vor der Bühne, aber auch abends im Restaurant, auf der Party oder sogar in der Hotelsauna). Ich stelle immer wieder fest, dass dieser intensive Austausch in den meisten Branchen nicht üblich ist und viele Freunde, die nicht im Online-Marketing arbeiten, mich deswegen beneiden oder zumindest sich darüber wundern :-D.

4. Warum sollten deiner Meinung nach Unternehmen im Social Web Präsenz zeigen?

Weil es keinen direkten Weg zu den Kunden und keine vergleichbar einfache Möglichkeit für große Reichweiten gibt. Wer sich das entgehen lässt, verzichtet einfach auf enorme Chancen. Oft aus einer diffusen Angst heraus, etwas falsch zu machen oder sich irgendwelchen Risiken auszusetzen. Da wird dann lieber gar nichts gemacht, was meist der komplett falsche Ansatz ist.

5. Worin siehst du die Herausforderungen für Unternehmen, die Social Media für ihr Unternehmen nutzen wollen?

Große Herausforderungen liegen im Know-how und in den Ressourcen. Unternehmen sind gut in ihrem Kernbusiness, das waren sie immer schon. Jetzt kommt plötzlich die Herausforderung dazu, sich in neue Kanäle einzuarbeiten, Kunden und Wettbewerber zu beobachten, Content zu produzieren, Ergebnisse auszuwerten etc. Im Gegensatz zu klassischer Werbung lässt sich das alles auch nicht mehr so einfach outsourcen.

All das erfordert oft ein grundlegendes Umdenken im Marketing, wenn nicht in der gesamten Kommunikations- und Unternehmenskultur. Wer sich auf Social Media einlässt, muss sich auch auf Transparenz und offene Kommunikation einlassen. Wenn das nicht gewollt ist, macht auch Social Media Marketing keinen Sinn.

Ich habe tatsächlich häufiger den Fall, dass Unternehmen zwar Facebook und Twitter für die Kommunikation nutzen wollen, aber die Kunden doch bitte nicht antworten sollen. Ob man das denn nicht abschalten könne, werde ich dann gefragt. Denn da könne ja wer weiß was kommen.

Eine Facebook-Seite macht aus einem schlechten Unternehmen kein gutes Unternehmen. So einfach ist das.

6. Wie stellst du dir eine gute Social-Media-Strategie für Online-Shops vor?

Gute, aber sehr komplexe Frage ;-). Um den Rahmen nicht zu sprengen, fasse ich mich da mal kurz. Wenn Rabatte bzw. Tiefstpreise nicht das einzige Erfolgskriterium sein sollen, ist eine gute Inszenierung wichtig. Zum Beispiel mit perfekt auf die Zielgruppe abgestimmtem, einzigartigem und ansprechend aufbereitetem Content. Das funktioniert tatsächlich in jeder Branche, muss nur entsprechend angepasst werden. Dann ist es auch egal, ob man ein Fotogeschäft, einen Schuhshop oder einen Online-Shop für Messgeräte betreibt.

7. Welches Netzwerk benutzt du am liebsten und warum?

Ich persönlich bin großer Facebook-Fan. Mir würde Facebook auch komplett ausreichen. Eine Zeitlang hatte ich da alles an einem Fleck: Links, Videos, Bilder; Gruppen; alle Freunde zum Chat, etc. Dann hat sich alles wieder ein bisschen aufgesplittet. Manche sind jetzt nur noch über Threema zu erreichen, manche über WhatsApp, manche auf Instagram und manche nur noch per Mail. Und der Rest eben auf Facebook.

Ich habe bis heute nicht erkannt, wozu ich persönlich Instagram bräuchte. Von Google+ müssen wir gar nicht erst sprechen. Twitter ist für mich noch ganz hilfreich, YouTube und XING natürlich auch. Aber vom persönlichen Nutz- und Unterhaltungswert schlägt Facebook für mich alles.

8. Was hältst du von Google+ Ads?

Bisher nicht allzu viel, die Möglichkeiten sind m.E. recht stark eingeschränkt. Ich würde da eher auf Facebook Atlas setzen, wenn das mal richtig läuft.

9. Welche sozialen Netzwerke hältst du in Zukunft für relevant?

Das finde ich wahnsinnig schwer abzusehen. Die Erfahrung zeigt einfach immer wieder, wie schnell neue Netzwerke entstehen und gigantisch groß werden, während andere plötzich „out“ werden und verschwinden.

Vor zwei Jahren hätte ich noch auf Google+ getippt. Seit etwa einem Jahr verfällt das Netzwerk mehr und mehr in die Bedeutungslosigkeit. In einem Jahr ist das Ding passé, würde ich schätzen.

Facebook hat aufgrund der Finanzkraft, der Datenmacht und der hohen Verbreitung gute Chancen, weiterhin relevant zu bleiben. YouTube auch.

Auf XING würde ich nicht wetten, da sehe ich die Zukunft eher bei LinkedIn (obwohl ich persönlich XING viel lieber mag als das unglaublich unübersichtliche LinkedIn).

Instagram sehe ich persönlich langfristig auch nicht. Einfach nur Bilder sind m.E. zu wenig, um dauerhaft funktionieren zu können. Aber auch da kann ich mich natürlich irren.

Pinterest wird von Facebook gekauft und mit Instagram fusioniert ;-)

Große Relevanz werden in den nächsten Jahren die Chat Apps wie WhatsApp, Snapchat und Co. Haben. Das Live Streaming, was wir heute von Periscope etc. kennen, könnte dort integriert werden, was die heutigen reinen Live Streaming Apps überflüssig macht.

10. Du hast bereits drei Bücher zum Thema Social Media veröffentlicht. Was hast du als nächstes vor?

Ganz einfach: weitere Bücher schreiben :-). Tatsächlich habe ich eins über Online-Marketing und drei über Social Media. Für dieses Jahr sind noch zwei weitere geplant. Vertrag ist schon unterschrieben, das erste Manuskript gebe ich im August ab. Im Herbst/Winter schreibe ich noch meine Masterarbeit für den MBA; wahrscheinlich mache ich daraus auch ein Buch oder Ebook.

Daneben habe ich aber noch ein paar andere Sachen, die ich schon lange plane, aber aus Zeitgründen nie umgesetzt habe. Was das ist, verrate ich noch nicht. Das erfahrt ihr dann beizeiten auf Facebook und in meine Blog :-)

11. Wie bleibst du up to date?

Das ist eine der größten Herausforderungen für mich. Viel bringt mir mein Facebook- und Twitter-Netzwerk. Ich verbringe relativ viel Zeit im Newsfeed und stoße so schnell auf interessante Artikel und Links. RSS-Feeds nutze ich eigentlich schon längere Zeit fast gar nicht mehr. Blogs lese ich viel, aber eben nur, was ich über die Social Networks so mitbekomme.

Ich schaue mir fast alle neu erscheinenden Bücher an. Wirklich durchlesen kann ich sie nicht, aber querlesen geht immer.

Die Website Boosting ist für mich auch Pflichtlektüre. Gibt m.E. keine bessere Zeitschrift in unserer Branche. Wird noch gut ergänzt vom Suchradar. Wer die beiden liest, hält sich auf jeden Fall gut auf dem Laufenden.

Und schließlich Konferenzen, Stammtische, Networking-Events und Austausch mit Kollegen. Alles, was nicht in Büchern oder Zeitschriften steht, bekomme ich hier so mit.

12. Wenn du dir selbst eine Frage stellen könntest, welche würde das sein?

Wie wäre dein Leben verlaufen, wenn du dich damals im Grundstudium statt für das Praktikum in der Online-Marketing-Beratung für das Praktikum beim Auswärtigen Amt in London entschieden hättest? Die Antwort darauf weiß ich leider auch nicht, wäre aber mal interessant zu wissen :-)

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