Latent semantische Optimierung (LSO) – Vielfalt ist King

17. Februar 2017 von Nicole Buller

Die Optimierung der eigenen Seite ist ein sehr individuelles Projekt. Die divers diskutierte These „Content is King“ ist nunmehr ein Fakt, auch wenn der Content sich seine Rankingrelevanz mit ca. 250 weiteren Rankingfaktoren teilen muss.[1] Die neue Devise lautet „Vielfalt ist King“. Diese lässt sich auf viele SEO-Bereiche anwenden, bezieht sich in diesem Blogbeitrag jedoch auf die Textoptimierung. Die bewährte und seit jeher praktizierte Textoptimierung umfasst die Keyword Recherche, Überprüfung der Keyword Dichte und die Diversifizierung von Inhaltsarten (Bild, Listen und Tabellen). Ein durch Google’s RankBrain Update wiederkehrender Trend in der Textoptimierung ist die latent semantische Optimierung (LSO). Die Kookkurrenzen lassen den Text nicht nur für Google relevanter erscheinen, sondern helfen bei der Erschließung neuer Themenfacetten.

Latent semantische Optimierung - Vielfalt ist King!

Was ist eine latent semantische Optimierung?

Es handelt sich bei der „latent semantischen Optimierung“ (LSO) um ein Werkzeug der Textoptimierung. Dies ist ein sprachwissenschaftliches Verfahren zur Ermittlung von verwandten Wörtern (Kookkurrenzen) eines Keywords. Ziel ist es einen Text zu verfassen, der von Google als informativ und leserorientiert befunden wird. Texte mit vielfältigen Themenfacetten decken unterschiedliche Nutzerinteressen ab und gelten als informativ. Für Google steht der Nutzer und sein Interesse im Fokus. Ein guter Text bewirkt, dass viele Nutzerinteressen abgedeckt werden .

→ dies resultiert in einer längeren Verweildauer auf der Seite
→ erhöht die Klickrate
→ und wirkt sich somit positiv auf direkte und indirekte Rankingfaktoren aus.

Der Nutzer liebt gut geschriebene und informative Texte und deshalb liebt Google solche Texte auch.  Damit Google die Qualität eines Textes automatisch bewerten kann, muss Qualität in Zahlen ausgedrückt und messbar gemacht werden. Google nutzt Kookkurrenzen als messbare Kennzahl, um den Informationsgehalt eines Textes zu bewerten. Diese Erkenntnis unterstützen die zwei Google Patente „Erstellung eines Kategorienbaums über den Inhalt eines Datenbestandes WO 2009135511 A1“[2] und „Evaluation of substitute terms US 8504562 B1“.[3] Die Patente weisen ausdrücklich darauf hin, dass Kookkurrenzen ein Bestandteil des Algorithmus sind.

Was sind Kookkurrenzen?

„Kookkurrenzen oder auch Kollokationen sind Gruppen von Wörtern, die häufiger zusammen auftreten, als dass es rein zufällig sein könnte.“[4] Nach der Wahrscheinlichkeitsrechnung liegt die Chance für Wörter nebeneinander zu stehen bei  1 / Anzahl der Wörter der Sprache.

Nach dieser Rechnung hätten alle Wörter dieselbe Wahrscheinlichkeit jeweils nebeneinander zu stehen. Da auf die Sprache jedoch grammatische sowie semantische Einflüsse wirken, ist die Wahrscheinlichkeit, dass alle Wörter jeweils nebeneinander stehen, nicht gleich.

Z.b. ist es wahrscheinlicher, dass die Wörter „Blumen“ und „wachsen“ nebeneinanderstehen, als „Blumen“ und „Zirkuszelt“. Die Kookkurrenz von „Blume“ wäre diesem Beispiel nach „wachsen“. Weitere potentielle Kookkurrenzen für „Blume“ wären „Blumentopf“ oder „schön“.

Für themenverwandte Wörter liegt somit die Wahrscheinlichkeit höher in einem Text vorzukommen, als für themenferne Wörter. Google kennt für jedes Keyword die themenverwandten Wörter (Kookkurrenzen) und prüft die Texte, ob diese vorhanden sind oder nicht. Weisen Texte eine unverhältnismäßig geringe Anzahl an Kookkurrenzen auf, werden sie als nicht so relevant bewertet. Dies macht sich an schlechteren Rankings bzw. einer geringeren Sichtbarkeit einzelner URLs bemerkbar.

Vorgehen Latent semantische Optimierung (LSO)

Bei der LSO bezieht man nicht nur die Wörter in die Analyse ein, die nebeneinander stehen, sondern analysiert das Umfeld des Keywords.[5] Somit können mithilfe der Textsammlung thematisch verwandte Wortwolken oder Kookkurrenzen des Keywords ermittelt werden.

Zum Aufbau einer soliden Datenbasis benötigt man ein „Seedword“ (dies ist das Keyword, auf welches ein Inhalt optimiert werden soll) und drei „Kandidaten Keywords“ (ähnliche Suchanfragen zum Thema des Seedwords). Die „Kandidaten Keywords“ werden mithilfe des hausinternen Tools SEO Diver ermittelt.

Begriffserklärungen

Seedword                         = Keyword, auf das optimiert wird

Kandidaten-Keyword  = ähnliche Suchanfragen zum Thema des Seedwords

Kookkurrenz                   = das gemeinsame Auftreten zweier oder mehrerer Wörter in einem Satz oder einem Dokument. Es besteht die Annahme, dass diese zwei Terme voneinander abhängig sind, wenn sie auffällig häufig gemeinsam auftreten.

Die „Kandidaten Keywords“ werden benötigt, um die Kookkurrenzen des Keywords „Blume“ thematisch zu filtern. Denn häufig sind Keywords mehrdeutig und dieser Umstand ist in aller Regel bei den ermittelten Kookkurrenzen zu erkennen. Das Keyword „Blume“ ist insofern mehrdeutig, dass es z.B auch als Nachname, als anderer Begriff für Bierkrone oder in der Jägersprache  vorkommen kann. Die thematische Filterung geschieht durch den Abgleich der Kookkurrenzen des Seedwords mit den Kandidaten Keywords. Die Kookkurrenzen im Text signalisieren Google dann, welche Variante des Seedwords gemeint ist.

Ermittlung der Kookkurrenzen

Die Kookkurrenzen werden anhand einer Textsammlung ermittelt. Es werden nach einander das „Seedword“ und die „Kandidaten Keywords“ mit der Textsammlung abgeglichen und mittels einer Kookkurrenzanalyse die Kookkurrenzen ermittelt.

Schritt 1: Kandidaten Keywords

Das Keyword oder Seedword der Beispiel-URL www.musterurl.de/blume lautet „Blume“. Für dieses Seedword wurden folgende Kandidaten mit dem SEO Diver ermittelt:

Kandidaten-Keyword 1: Orchidee

Kandidaten-Keyword 2: Blume Aufbau

Zur Vereinfachung werden statt drei lediglich zwei Kandidaten-Keywords besprochen.

Schritt 2: Ermittlung Kookkurrenzen

Für das Seedword „Blume“ und die Kandidaten-Keywords „Orchidee“ und „Blume Aufbau“ werden mittels einer verlässlichen Textsammlung die Kookkurrenzen ermittelt. Die jeweiligen Kookkurrenzen der einzelnen Terme sind innerhalb der Wolke.

Dieser Graphik lässt sich entnehmen, dass es eine Übereinstimmung unter den Kookkurrenzen gibt.  Aus der Kookkurrenz-Analyse ergeben sich folgende Begriffe, die im Text der zu optimierenden Seite www.musterurl.de/blume aufgegriffen werden sollten:

→ tropisch

→ schön

Schritt 3: Gewichtung

In der obigen Graphik sind Gewichtungen dargestellt. Während die Kookkurrenz „tropisch“ lediglich bei dem Seedword „Blume“ und dem Kandidaten „Orchidee“ aufzufinden ist, findet sich die Kookkurrenz „schön“ bei allen Kookkurrenzen wieder. Damit erhält der Term „tropisch“ eine Gewichtung von 1 und der Term „schön“ eine Gewichtung von 2. Generell ist es empfehlenswert jede übereinstimmende Kookkurrenz in den Text aufzunehmen, auch die Kookkurrenzen, die eine Gewichtung von 1 haben. Sollte sich die Anzahl der Kookkurrenzen im dreistelligen Bereich befinden, hilft die Gewichtung um die Kookkurrenzen zu priorisieren.

Schritt 4: Text mit Kookkurrenzen

In Anbetracht der übereinstimmenden Kookkurrenzen wird deutlich, wie Kookkurrenzen die Themenfacetten vervielfältigen können. Während „schön“ ein Adjektiv ist, welches keiner besonderen textlichen Erweiterung bedarf, da jede Blume auf ihre Weise schön sein kann, verhält es sich mit dem Adjektiv „tropisch“ anders. Denn nicht jede Blume kann als „tropisch“ bezeichnet werden. Wenn der Text von hiesigen Blumenarten handelt, bedarf es etwas Kreativität, eine neue Themenfacette herauszuarbeiten, die zum einen in den bestehenden Text passt und zum anderen eine textliche Umgebung für die Kookkurrenz „tropisch“ schafft.

Fazit

Texte sollten nicht für die Suchmaschine, sondern für den Seitenbesucher verfasst werden. Eine bloße Aneinanderreihung der Kookkurrenzen ist daher nicht empfehlenswert. Texte auf Internetseiten sollten auf das Informationsbedürfnis des Nutzers hin optimiert werden. Ein Nutzer ist jedoch nicht immer gleichbedeutend mit dem jeweiligen Kundenkreis. Neben der Aufforderung zu einem Lead/einer Conversion oder einem anderen Ziel des Angebotes sollten auf Ihrer Seite informative und qualitative Inhalte vorhanden sein.

Die Kookkurrenzen lassen den Text nicht nur für Google relevanter erscheinen, sondern helfen bei der Erschließung neuer Themenfacetten.  Ein qualitativ guter Text bewirkt eine längere Verweildauer auf der Seite, erhöht die Klickrate, befriedigt Nutzerinteressen und wirkt sich somit positiv auf direkte und indirekte Rankingfaktoren aus.

Gerne helfen wir Ihnen dabei, Ihre Texte zu optimieren!

Weiterführende Infos

[1] Nachzulesen auf: http://www.bitskin.de/blog/google/12215/links-keywords-seitentitel-welche-google-rankingfaktoren-gibt-es

[2] Nachzulesen auf: https://www.google.com/patents/WO2009135511A1?cl=de

[3] Nachzulesen auf: https://www.google.com/patents/US8504562

[4] Noah Bubenhofer (06.01.17): https://www.bubenhofer.com/korpuslinguistik/kurs/index.php?id=cosmas_client_kookk.html

[5] Als Umfeld des Keywords werden in diesem Dokument zum einen die Wörter bezeichnet die im Satz des Keywords stehen und zum anderen nicht weiter als fünf Wörter entfernt sind.

Eine Antwort hinterlassen

Verwandte Beiträge

Shopware SEO
Shopware SEO: Relaunch und Weiterleitungen

In den letzten Jahren hat sich Shopware besonders in Deutschland zu einer beliebten Shopsoftware entwickelt. Die Vorteile liegen auf der Hand: Das mit der Version Shopware 5 im Sommer 2015 eingeführte Responsive Theme ist out-of-the-Box schon sehr gut für Suchmaschinen optimiert. Damit erhält der Onlinehändler einen Shop mit mobil optimierten Seiten, durch verbessertes Caching schnelle mehr…

11 typische SEO-Fehler
11 typische SEO-Fehler – Aus dem Alltag einer Agentur für Suchmaschinenoptimierung & Social Media

Die Arbeit eines Suchmaschinenoptimierers (SEO) in einer SEO-Agentur ist eine wunderbare Herausforderung. Abwechslungsreich, spannend, im Erfolgsfall Befriedigung verschaffend, manchmal aber auch recht mühselig.  Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn verschiedene Dienstleister mit unterschiedlichen Aufgaben gefordert sind, sich im Sinne des Kunden zusammenzuraufen. Im Spannungsfeld zwischen Optik und Inhalt Design, Usability und SEO müssen so mehr…

SEO und Conversion Optimierung

Nach einer erfolgreichen Suchmaschinenoptimierung ist eine Conversion Optimierung der nächste logische Schritt für den Online Marketer und/ oder Analysten. Klickrate steigern Wir haben der Webseite eine Sichtbarkeit bei Google verschafft. Der erste Ansatz, um die Conversion Rate zu steigern ist, die Klickrate (CTR) in den Search Engine Result Pages (SERPs) zu steigern. Mehr Traffic bedeutet mehr…

Latent semantische Optimierung (LSO) – Vielfalt ist King

Die Optimierung der eigenen Seite ist ein sehr individuelles Projekt. Die divers diskutierte These „Content is King“ ist nunmehr ein Fakt, auch wenn der Content sich seine Rankingrelevanz mit ca. 250 weiteren Rankingfaktoren teilen muss.[1] Die neue Devise lautet „Vielfalt ist King“. Diese lässt sich auf viele SEO-Bereiche anwenden, bezieht sich in diesem Blogbeitrag jedoch mehr…