Google Mobile Update: Nachklang

30. Juni 2015 von Bonnie Küster

Am 26. Februar 2015 kündigte Google ein Update an, das die Auslieferung von Suchergebnissen auf mobilen Geräten betreffen sollte – auf URL-Basis, nicht Domain-basiert. Seitdem berichteten diverse Quellen darüber, welche Veränderungen „Mobilegeddon“ in der Sichtbarkeit von Webseiten in der mobilen Suche verursachte.
Immer wieder ist dabei die Rede von Gewinnern und Verlierern – doch was sind eigentlich die Beweggründe für diese Anpassung seitens Google? Welche technologischen Entwicklungen führen zu einer solchen Bedeutung des Themas „mobile Verfügbarkeit“? Gewinnen oder verlieren eigentlich die Smartphone-Nutzer an sich? An dieser Stelle möchte ich ein wenig rechts und links an den Tellerrand blicken – jedoch auch durch die „SEO-Brille“.

Dass sich Technik über die Zeit weiterentwickelt und für diverse Bevölkerungsschichten auch erschwinglicher wird und dadurch die Verbreitung steigt, ist kein Geheimnis. Ein Meilenstein der Geschichte der Mobiltelefone war z.B. die Einführung des ersten iPhones im Jahr 2007. Das Telefon besaß eine Bedienoberfläche mit Touchscreen – zu dem Zeitpunkt eine komplette Neuheit. Mittlerweile zum Standard geworden, ist dieses Feature nicht mehr wegzudenken. Auch der Funktionsumfang erweiterte sich stetig. Kamera, E-Mail, Internetnutzung und Videoaufzeichnung sind nur einige der neu hinzugewonnenen Leistungen. Somit wandelt sich das Telefon mehr und mehr zum Multifunktionsgerät bzw. zum „personal handheld computer“. Auch deshalb ist es mittlerweile der ständige Begleiter vieler Menschen.

Das Smartphone als ständiger Begleiter

Das Smartphone als ständiger Begleiter

Somit ist die logische Folge, dass Inhalte, die online zur Verfügung gestellt werden, auch hinsichtlich mobiler Erreichbarkeit angepasst werden müssen – obwohl die Nutzerintention bei der Suche eine andere sein kann als bei der Desktop-Suche. Des Öfteren ist sogar die Rede von einer „Mobile First“ Strategie: Designs, Layouts und auch Inhalte werden zunächst auf die Darstellung auf tragbaren Geräten mit kleineren Screens ausgerichtet und erst anschließend an die gewohnte Desktop-Größe. Laut Studien verlassen mobile Nutzer eine Seite in weniger als fünf Sekunden, wenn diese nicht optimiert ist (z.B. durch zu kleine Schriftgrößen und zu eng aneinander liegende Buttons).

Hauptsache Fortschritt?

Hiermit gehen jedoch Verhaltensänderungen einher, die in alle Lebensbereiche übergreifen und sich manifestieren. Wenn man Studien Glauben schenkt, schaut der durchschnittliche Handynutzer alle 6,5 Minuten auf sein Handy. Diese Angewohnheit wird von einigen Wissenschaftlern auch als „Checking Habit“ bezeichnet: Das kurze, wiederholte Abrufen von dynamischen Inhalten. Das Wort Habit, also Gewohnheit, beschreibt in diesem Fall ein automatisiertes Verhalten, das durch verschiedene Ereignisse ausgelöst werden kann. Diese Ereignisse sind oft von externer Natur: Experimente haben gezeigt, dass „Checking Habits“ durch „Belohnungen“ in Form von Informationen verstärkt werden, die sehr schnell zugänglich sind. Diese Auslöser sind hier häufig externer Natur, was auf Dauer die eigene, intrinsische Motivation zum Handeln abnehmen lassen kann.
Übertragen auf mobile SEO bedeutet das: Nutzer gewöhnen sich an die schnelle Verfügbarkeit von Inhalten auf ihren tragbaren Geräten – sowohl online als auch offline. Kann ein Webseitenbetreiber nun diese Erwartungen nicht erfüllen, wird sehr schnell abgesprungen oder zu einem alternativen Anbieter/ Suchergebnis gesprungen. Anders ausgedrückt: Der Geduldsfaden des modernen Users ist sehr kurz, dafür die Erwartungshaltung umso höher. Die allgemeinen Reaktionsmöglichkeiten auf diesen Umstand sind wohl jedem Suchmaschinenoptimierer geläufig. Ladezeit, Design und Layout sowie Usability müssen Hand in Hand gehen, um eine positive User Experience und bestenfalls die gewünschte Conversion zu erzeugen.

Google: Fokus auf dem Nutzer?

Der Suchmaschinenriese argumentiert bei Änderungen gern damit, die Usability des eigenen Haupt-Produkts verbessern zu wollen und zum Wohl der Nutzer zu handeln. Das ist einerseits logisch, denn nutzerunfreundliche Anpassungen würden wohl eher nicht die Verweildauer auf dem eigenen Produkt erhöhen. Andersherum könnte man sich auch fragen, welche wirtschaftlichen Vorteile sich in diesem Fall durch die schnellere Auslieferung von Inhalten auf Mobilgeräten für Google entstehen. Beispielsweise werden folglich auch Werbeanzeigen schneller geladen (Google AdSense oder AdWords-Anzeigen im Displaynetzwerk). Es wäre suboptimal, wenn Nutzer aufgrund langsamer Ladegeschwindigkeit bereits von einer Seite abspringen würden, bevor eine Anzeige überhaupt geladen werden und somit eine Impression erzeugen kann.

Fazit

Das Zauberwort aus meiner Sicht für mobile Suchmaschinenoptimierung heißt User Experience, oder besser noch die daraus folgende User Happiness. Vorher müssen natürlich die technischen Voraussetzungen geschaffen werden.

SEO und Usability ergeben zusammen glückliche Nutzer

SEO + UX = User Happiness

Natürlich hat jedes Unternehmen, das einen Webauftritt besitzt, andere spezifische Ziele, die es damit verfolgt. Unabhängig davon lassen sich jedoch diese Charakteristika festhalten, die für mobile Inhalte gelten sollten:

– Gerätespezifische und trotzdem konsistente Aufbereitung und Darstellung der (Kern-)Inhalte
– Optimal abgestimmte Usability

Daneben ist es von großem Vorteil, eine insgesamt einheitliche digitale Strategie zu fahren – die mobile Taktik ist nur ein Teil davon. Als Suchmaschinenoptimierer agiert man häufig als Bindeglied der verschiedenen Positionen. Dies kann genutzt werden, um eine effektive Verzahnung der Bereiche zu bewirken. Zukünftig wird es immer wichtiger werden, interdisziplinär zu denken und zu handeln – starten Sie lieber gestern als morgen.

 

Über die Autorin: sabine-behrendt-signatur
Sabine Behrendt ist SEO Manager bei ABAKUS. Zuvor studierte sie an der Hochschule Hannover Informationsmanagement mit Schwerpunkt auf audiovisuellen und interaktiven Medien.

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Bildquellen:
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