Suchmaschinen: Die zehn größten SEO-Mythen

Im Februar 2011 haben wir die 10 größten SEO-Mythen besprochen. 9 Jahre später, im März 2020, wollen wir mal schauen, was sich geändert hat.

Original: Wer bei Google oben steht, bekommt tausende „kostenlose Besucher“. Für viele Unternehmen hat daher Suchmaschinenoptimierung (kurz: SEO für Search Engine Optimization) einen großen Einfluss auf das betriebswirtschaftliche Ergebnis. Dennoch haben Entscheidungsträger oft wenige oder sogar falsche Kenntnisse in diesem Bereich. ABAKUS räumt mit den zehn größten Mythen auf.

Aktuell: Die Welt hat sich weitergedreht und unsere Sichtweisen haben sich teilweise deutlich verändert. Bekommt man noch tausende Besucher, wenn man bei Google oben steht? Wie ist der Wissenstand bei den Entscheidern?

Original: Dass sich SEO rechnet und einen hohen Return of Invest (ROI) erzeugen kann, ist mittlerweile bekannt. Aber wo lohnt es sich, Geld zu investieren – und welche Maßnahmen kann sich das Unternehmen sparen? Da Google & Co. ihre Ranking-Algorithmen nicht offenlegen, gibt es viele Vermutungen darüber, wie Webmaster ihre Seiten für eine vordere Platzierung optimieren können. Hinzu kommt, dass die Unkenntnis der Entscheider von einigen „schwarzen Schafen“ der Optimierungs-Branche zum Nachteil der Kunden ausgenutzt wird. Zeit also, sich einmal mit einigen SEO-Mythen näher zu befassen.

Aktuell: SEO hat immer noch einen hohen ROI. Durch die vielen Google Updates in den letzten Monaten, bei denen auch „Content-Seiten“ verloren haben, wird die Wahl immer schwieriger: An welcher Stelle meiner Webseite investiere ich als Unternehmer?

  • Technik,
  • Content
  • oder Offpage?

Meine Empfehlung: Wenn Bedarf besteht genau in dieser Reihenfolge – egal welche Suchmaschine den Markt beherrscht. Erst wird der Bedarf geprüft, dann investiert. Ich kenne mehr als einen Geschäftsführer, der selbst über längere Zeit SEO betrieben hat. Aber es gibt auch heute noch Entscheider, die sich lieber auf das Wissen ihrer Experten verlassen.

Mythos 1:
Webseite bei möglichst vielen Suchmaschinen anmelden

Original: Falsch. Es gibt derzeit – zumindest in Deutschland – nur eine relevante Suchmaschine: Platzhirsch Google wickelt ca. 92 Prozent der Suchabfragen ab, MSN und Yahoo folgen mit nur je rund 3 Prozent und der Rest verteilt sich auf viele kleine Anbieter. Für die Listung bei Google benötigt man allerdings keine Anmeldung, denn die Suchmaschine findet neue Webseiten, indem sie Links von anderen Seiten folgt. Links von anderen Domains zur eigenen Website sind also der beste Weg, um schnell in den Index aufgenommen zu werden. Es schadet zwar nicht, seine Website bei kleineren Suchmaschinen einzutragen, aber der Effekt ist minimal und man sollte dafür keinesfalls Geld bezahlen.

Aktuell: Hätten wir doch ein paar Suchmaschinen mehr, dann müssten wir uns nicht von Google gängeln lassen! Quasi ganz Europa folgt Google – mit allen Konsequenzen. Die Zufriedenheit mit den Ergebnissen lässt nach. Google findet auch heute noch Inhalte über Links und hat just diesen Monat das „Nofollow Update“ durchgeführt. Links sind immer noch genau so wichtig, wie vor 10 Jahren. Wir suchen, unabhängig davon, Alternativen zur Google Suche. Qwant.com macht z.B. einen recht guten Eindruck.

Mythos 2:
Ein hoher Google PageRank ist wichtig

Original: Falsch. Eingehende Links werden von den Suchmaschinen als Empfehlung gewertet und beeinflussen das Ranking der eigenen Website positiv. Aus der Stärke der eingehenden Links einer Seite berechnet Google zwar den Pagerank, eine Webseite mit Page-Rank 3 kann aber durchaus in den Suchergebnissen vor einer Seite mit PageRank 5 platziert sein. Ein hoher PageRank ist also eher ein mittelbares Ergebnis eines guten Rankings als die Voraussetzung dafür. Google PageRank ist eigentlich eine Google-interne Bewertung und hat Einfluss darauf, wie häufig und wie intensiv Google die Website „crawlt“, also auf neue Inhalte hin untersucht. Für Rankings hat es keinen oder kaum einen Einfluss.

Aktuell: Nach einer aktuellen Aussage von Google (Februar 2020) ist der PageRank Algorithmus immer noch ein wichtiger Punkt bei der Bewertung von Webseiten.

Wir wenden mehr als 200 Signale und hochspezialisierte Technologien an, um die Wichtigkeit jeder Webseite einzuschätzen. Von besonderer Bedeutung ist dabei unser PageRank™-Algorithmus, mit dessen Hilfe wir analysieren, welche Websites von anderen Seiten im Internet für gut befunden werden.

https://www.google.com/about/philosophy.html

Dass der PageRank nicht mehr veröffentlicht wird, ist dabei eher eine Bestätigung als ein Hinweis darauf, dass es anders wäre. Linkhandel auf Basis von PageRank war für Google lange Zeit ein Problem. Heute werden Domain Popularität, Trust Flow usw. als Kennzahlen im Linkhandel genutzt.

Mythos 3:
Die „richtigen“ Metatags sorgen für ein besseres Ranking

Original: Früher richtig, bei Google jetzt nicht mehr. In der „Suchmaschinen-Steinzeit“ halfen sinnvoll gewählte Metatags den Suchmaschinen, den Inhalt einer Webseite thematisch einzuordnen. Da dieser Mechanismus aber schnell missbraucht wurde, wertet zum Beispiel Google heutzutage den Metatag „Keywords“ nicht mehr aus. Der Metatag „Description“ sollte in ein bis zwei Sätzen und maximal 200 Zeichen den Inhalt der individuellen Seite zusammenfassen. Da er fast immer als Ausschnitt („Snippet“) in den Suchergebnissen angezeigt wird, kann eine gut gewählte Description zwar nicht das Ranking, aber durchaus die Klickrate verbessern.

Aktuell: Die richtigen Meta Tags gibt es immer noch. Eine geschickt gestaltete Meta Description kann den User zum Klick veranlassen. Ansonsten sprechen wir heute eher von strukturierten Daten, und dann von On-SERP SEO und No-Click-Searches. Und dann von sich selbst das Wasser abgraben. „Stell Dir vor Google sagt was und keiner macht mit.“

Mythos 4:
„Sprechende URLs“ verbessern automatisch das Google Ranking

Original: Erst in den letzten zwei Jahren haben Suchmaschinen gelernt, Adressen nach dem Muster www.example.com/index.php?param1=value1&param2=value2“ korrekt zu verarbeiten. Daher galt lange Zeit die Empfehlung, solche dynamisch generierten Inhalte durch serverseitige Mechanismen wie das Apache-Modul „mod_rewrite“ in eine pseudostatische URL, also beispielsweise www.example.com/value1-value2.html, umzuschreiben. Was die Indizierung angeht, sind beide Varianten inzwischen gleichwertig, obwohl wir vermuten, dass Google Links von Seiten mit mehr als zwei Parametern nicht gern folgt. Deshalb sollte man möglichst nicht zu viele davon nutzen. Die sprechende Variante hat bei der Verlinkung allerdings Vorteile, wenn die komplette URL als Linktext verwendet wird und wichtige Keywords darin vorkommen. Außerdem kann sie die Klickrate positiv beeinflussen: Wenn das Keyword in der Adresse erscheint, wird es in den Suchergebnissen hervorgehoben und eine sprechende URL lässt sich leichter weitergeben – etwa am Telefon.

Aktuell: Sprechende URLs helfen etwas, allerdings können kryptische URLs auch top ranken. Der Hinweis mit der Weitergabe am Telefon kann dazu führen, dass z.B. alle Produkte virtuell im Root Verzeichnis verortet werden und keine logische URL-Struktur besteht. Das wäre ein kleiner Verlust. Ansonsten navigieren Bots und Nutzer über URL-Veränderungen, hierbei hilft ein logischer Aufbau.

Mythos 5:
Bezahlte Werbung beeinflusst die organischen Suchergebnisse

Original: Falsch. Laut Google besteht keinerlei Zusammenhang zwischen bezahlten Anzeigen/ AdWords und den eigentlichen Ergebnissen. Der Autor kann das anhand eigener Recherchen bestätigen.

Aktuell: Eine Webseite braucht mehr als eine Traffic-Quelle, wie hier die organische Suche. Ob die Besucher durch PPC-Anzeigen, Newsletter-Werbung oder Social Media auf die Seite kommen, ist gleich. Hauptsache es gibt mehrere Traffic-Kanäle.

Mythos 6:
Viele eingehende Links sind gut für das Ranking

Original: Hier hat sich inzwischen die Gewichtung verschoben. Vor einiger Zeit kam es noch darauf an, möglichst viele eingehende Links zu bekommen („Linkpopularität“). Als dann bei etlichen Websites im Footer jeder Seite teilweise ganze Linkfarmen auftauchten, änderten sich die Kriterien. Inzwischen ist es wichtiger, von möglichst vielen Domains („Domainpopularität“) beziehungsweise unterschiedlichen IP-Adressen („IP-Popularität“) Links zu erhalten. Allerdings geht es auch hier um Qualität und nicht um die Quantität. Links von Domains, die selbst ein gutes Ranking bei Google haben, sind am besten. Dieser Teil des Algorithmus heißt „Trustrank“. Übrigens hat auch die Position des Links auf der Seite und im Quelltext einen Einfluss auf die Gewichtung. Zu vermeiden sind zum Beispiel Footer Links.

Aktuell: Das oben ausgeführte gilt heute auch noch. Wichtig ist, dass man überwiegend thematische Links, die auch angeklickt werden, aufweisen kann. Zusätzlich dazu ist ein kontinuierliches Linkwachstum optimal. Dazu braucht man dann bezahlbare Links. Oft sind es nicht die großen Seiten, die auch Traffic bringen. In einer Untersuchung haben wir festgestellt, dass es häufig Nischenseiten mit inhaltlichem Wachstum sind, die Besucher auf die Website bringen.

Mythos 7:
Google fördert valide Seiten nach W3CStandard

Original: Falsch. Das strikte Einhalten von Webstandards beeinflusst das Ranking einer Webseite nicht. Umgekehrt können aber grobe Codierungsfehler dafür sorgen, dass nicht alle Seiteninhalte korrekt eingelesen werden und sich so das Ranking verschlechtert.

Aktuell: Google lässt Seiten ranken, wenn sie korrekt im Browser angezeigt werden.

Mythos 8:
Die Keyword-Dichte sollte im oberen Teil des Texts hoch sein

Original: Heute ist es so, dass eine Seite relevanter wird, wenn die Suchbegriffe (Keywords) nicht nur am Anfang des Texts auftauchen, sondern über den gesamten Inhalt verteilt sind. Durch diese Keyword-Verteilung wird der gesamte Inhalt relevant und so besser bewertet. Optimal ist es, wenn die Suchphrase im Quelltext oben, in der Mitte und unten erscheint.

Aktuell: Keyword-Dichte ist schon länger nicht mehr zeitgemäß. Heutzutage werden die Seiten mit latent semantischer Optimierung (LSO) aufbereitet. Über sog. Kandidaten-Begriffe kann die inhaltliche Ausrichtung eines Textes vorgenommen und so auch unterschiedliche Zielgruppen angesprochen werden. Bsp.: Keyword „Mallorca“; Kandidat A „Orangenblüte“; Kandidat B „Ballermann“.  Zu den beiden Kandidaten-Keywords sucht man dann verwandte Begriffe, die in den Text eingebaut werden. Dadurch erreicht man thematische Relevanz und tendenziell bessere Rankings. Die Begriffe kann man (zum Einstieg) bei der Google Suchstatistik Google Trends recherchieren.

Mythos 9:
Perfekte „OnPage“-Optimierung ist bei stark umkämpften Suchbegriffen wichtig

Original: „Offpage“-Kriterien oder besser Linkbuilding (d.h. von wo und wie man verlinkt ist) sind heutzutage tatsächlich wichtiger als „Onpage“-Elemente wie zum Beispiel optimale Title Tags und Keyword-Dichte. Es ist heute möglich, Vorschaltseiten, die sehr wenig oder gar keinen Text haben, bei Google ganz nach oben zu bringen. Theoretisch könnte man sogar mit einer vollständig leeren Seite bei Google die Top-Position erreichen nur durch Offpage-Optimierung. Ein schönes Beispiel der Macht der Domainpopularität (eigentlich
IP-Popularität) ist das Wörtchen „hier“: Google-Suchtreffer Nr. 1 ist die Downloadseite des Acrobat Reader, obwohl das Wort „hier“ darauf nicht ein einziges Mal auftaucht. Warum ist diese Seite dann auf Platz 1 von fast 600.000.000 Treffern? Viele Webmaster platzieren neben Links zu PDF-Dateien den Satz: „Klicken Sie hier, um den Acrobat Reader herunterzuladen.“ Der Link im Wort „hier“ zeigt dabei immer auf die Acrobat-Downloadseite.

Aktuell: Die Onpage-Optimierung umfasst heute neben der latent semantischen Optimierung auch die Optimierung der Nutzerwerte (Klickrate, Absprungrate, Verweildauer usw.) und damit einhergehend die Optimierung über verschiedenartige Inhalte. Nicht jede Frage muss mit einem Roman beantwortet werden. Manchmal genügt auch ein Formular.  Adobe.com rankt gerade heute in den Top 5 für „hier“. Man kann mangelnde Onpage-Optimierung ein Stück weit über Offpage kompensieren, aber da die Nutzerwerte mit ins Ranking einfließen wird es immer ein kurzer Erfolg bleiben, wenn die Inhalte nicht optimal sind.  Seiten mit schlechter OnPage-Optimierung können auch durch gute Offpage-Optimierung nicht dauerhaft erfolgreich sein.

Mythos 10:
Grafische Links sind schlecht

Original: Tatsächlich wird ein Textlink mit dem richtigen Linktext bevorzugt behandelt, aber ein Bild-Link, der im Alt-Text (Alternativ-Attribut) die richtige Suchphrase nutzt, wird von Google ebenfalls gut bewertet. Wichtig ist, dass es ein direkter Link ist, der nicht durch einen Adserver o.ä. läuft. Das Title-Attribut, das eigentlich für Textlinks vorgesehen ist, hat keinen Einfluss auf das Ranking. Bei Grafiken ohne Link wird das Alt-Attribut überhaupt nicht im Ranking-Algorithmus bewertet.

Aktuell: Ein grafischer Link mit Alt-Attribut gibt die Relevanz an die Zielseite des Links weiter. Dahingegen steigert eine nicht verlinkte, aber mit dem Alt-Attribut versehende Grafik die Relevanz der eigenen Seite. Grafiken, die nur für das Layouts Bedeutung haben,  sollten ohne Alt-Text genutzt werden.

Nützliche Tools für die Suchmaschinenoptimierung

Es gibt viele Websites mit Hilfen rund um die Suchmaschinenoptimierung. Einige haben sich dabei als besonders praktisch herausgestellt:

  1. Original: Google AdWords Keyword Tool: Zeigt zu einem Keyword alternative oder verwandte Begriffe an. Angaben nach Suchhäufigkeit, allerdings ungenau. adwords.google.de/select/KeywordToolExternalAktuell: Der Google Ads Keyword Planner zeigt nur noch Daten, wenn man in seinem Konto eine ausreichend große Kampagne laufen hat. Es werden Suchbegriffe ausgeschlossen, die einen gewissen Klickpreis nicht erreichen.
  2. Google Trends: Ausführliche Suchstatistik mit grafischer Darstellung, hilfreicher Vergleich von Keywords möglich.
    www.google.de/trends
  3. Keyword Density Analysis: Gutes Tool, welchen Ihnen ermöglicht, eine Keyword-Analyse einer vorhandenen Seite auf Ihrer Website auszuführen.
    https://www.internetmarketingninjas.com/seo-tools/keyword-density/
  4. Search Engine Spider Simulator: Der Simulator zeigt an, wie Suchmaschinen meine Website wahrnehmen.
    www.webconfs.com/search-engine-spider-simulator.php
  5. Backlink Watch: Welche Websites verweisen wie auf meine eigene Site?
    backlinkwatch.com
Kamillo Kluth

Über Kamillo Kluth

Geschäftsleiter
Kamillo Kluth ist Geschäftsleiter der ABAKUS Internet Marketing GmbH und beschäftigt sich seit dem Jahr 2000 mit Suchmaschinenoptimierung. Als SEO der ersten Stunde hat er zahlreiche bekannte Unternehmen beraten und zu besseren Rankings verholfen. Er ist ein Experte für Nutzerpsychologie und die technischen Feinheiten des Google-Algorithmus. Kamillo Kluth ist außerdem ein gefragter Dozent und Fachautor.
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