SEO-konforme 404-Seiten (Tipps und Beispiele)

Stefan Wall  Stefan Wall in OnPage SEO am 3. November 2021

Fast jeder Internetnutzer, der sich regelmäßig auf verschiedenen Websites bewegt, ist schon mindestens einmal darauf gestoßen: eine 404-Fehlermeldung. Oft endet hier der Aufenthalt auf der betroffenen Website, da die Inhalte, die den Besucher interessieren, nicht aufzurufen sind.

Es gibt viele Gründe, die dafür sorgen, dass 404-Fehler auftreten. Sei es eine fehlerhafte Weiterleitung, falsches Löschen von Inhalten oder die Verlinkung auf Inhalte, die auf der Website nicht mehr existieren. Dabei reicht schon ein Rechtschreibfehler im Link selbst, welcher nach einem Klick folglich auf eine nicht existierende Seite führt. Für den Fall, dass dieses Problem auftritt, ist es wichtig dem Besucher Ihrer Website eine für Suchmaschinen optimierte 404-Seite zur Verfügung zu stellen, die bestimmte Kriterien berücksichtigt.

Inhalt:

Wie schädlich sind 404-Fehlermeldungen für Ihre Website?

Bei der Frage der Schädlichkeit von 404-Fehlern gibt  es 2 verschiedene Perspektiven, die zusammen die SEO-Performance einer Website drastisch beeinflussen können. Zum einen ist dabei die User Experience ein wichtiges Stichwort.  Die User Experience bezeichnet die Erfahrung, die ein Besucher einer Website in seiner Navigation und allgemeinen Verwendung dieser Seite erlebt. Naheliegend dabei ist, dass der Besucher eine möglichst positive User Experience haben sollte, da er so die Website in einem positiveren Licht sieht, was die Kaufentscheidung beeinflussen oder zu Weiterempfehlungen führen kann, beispielsweise durch mündliche Empfehlungen oder Social Media etc. Eine Website, die eine gute User Experience bietet, wird auch gerne mehr als einmal besucht.

Geringe Ladezeiten, ein ansprechendes Design und eine intuitiven und übersichtlichen Navigation tragen zu einer positiven User Experience dabei. Hier drückt sich die 404-Fehlermeldung hingegen als eine negative Nutzererfahrung aus. Der User versucht Inhalte aufzurufen, die von besonderem Interesse sind, erhält stattdessen aber eine Fehlermeldung, die das Bedürfnis des Nutzers unerfüllt lässt.

Der Besucher der Website hat nun 2 Möglichkeiten; entweder er navigiert zu einer anderen Stelle auf der Website, durch beispielsweise zurück klicken im Browser oder durch den Klick auf einen anderen Link, oder er bricht seine Session auf der Website ab. Genau hier liegt das Problem. Für den Nutzer ist eine 404-Seite in der Regel eine frustrierende Erfahrung, die darin endet, dass er die Seite verlässt. Im Internet gewöhnt man sich schnell daran, dass gewünschte Inhalte schnell erreicht werden und Bedürfnisse erfüllt werden. Dies resultiert darin, dass User generell wenig geduldig sind und lieber eine andere Website besuchen anstatt einer Seite eine 2. Chance zu geben, die die gewünschten Inhalte vorher schon nicht präsentieren konnte.

Über die User Experience hinaus ist das vermehrte Aufkommen von 404-Fehlermeldungen für Google ein mangelndes Qualitätsmerkmal. Eine gute User Experience zählt zu den wichtigsten Eigenschaften innerhalb der verschiedenen Ranking-Kriterien. Treten viele 404-Fehler auf, vor allem interne Verlinkungen auf 404-Seiten, signalisiert das für Suchmaschinen, dass eine recht hohe Wahrscheinlichkeit besteht, dass den Besucher der Website eine negative User Experience erwartet. Eine technisch einwandfreie Website hingegen ist ein klares Argument für die Autorität, die eine Website haben sollte, was sich auf die Rankings auswirken kann.

404 Seite von Amazon
Quelle: 404 Seite von amazon.de

Welche Kriterien sollten 404-Seiten aus SEO-Perspektive erfüllen?

Während es tendenziell zwar nicht gut ist, wenn die Nutzer einer Website auf 404-Fehlermeldungen stoßen, ist es dennoch nicht immer zu vermeiden. So kann aus externen Quellen wie sozialen Medien beispielsweise auf eine Website verlinkt werden, jedoch ein Teil des Links falsch kopiert worden sein, sodass auf eine Unterseite verlinkt wird, die nicht existiert. Hier bietet sich eine Chance an, diesen Besucher durch eine optimierte 404-Seite trotzdem noch potenziell zu einer Conversion zu führen.

Eine häufige Meinung ist, dass alle 404-Fehlermeldungen zurück auf die Homepage weitergeleitet werden sollten. Diese ist generell aber als falsch zu bewerten. Ein Besucher, der versucht die gewünschten Inhalte aufzurufen, dabei aber auf eine 404-Seite gelangt, weiß in diesem Fall immerhin, dass etwas nicht funktioniert hat und ein Fehler aufgetreten ist. Mit dieser Information kann er mit Gewissheit seine weitere Vorgehensweise planen, während bei einer Weiterleitung auf die Homepage diese Information nicht gegeben ist. Der Besucher weiß nicht was passiert ist und kann frustriert darüber sein, nicht auf der gewünschten Unterseite gelangt zu sein, sondern auf eine Homepage. Dies hat das Potenzial, die Bounce Rate enorm zu steigern. Insofern ist eine optimierte 404-Seite zu bevorzugen.

Es gibt allerdings auch effektive Möglichkeiten dafür, 404-Seiten weiterzuleiten, indem sie auf relevante Kategorie-Seiten weiterleiten. Dafür muss diese jedoch relevant für die jeweilige Suchanfrage sein, was bei Unterseiten, die sich von anderen Inhalten auf der Seite unterscheiden nicht immer möglich ist. Weiterleitungen auf Homepages sollten zusammengefasst bei 404-Fehlermeldungen immer vermieden werden.

Schlechte 404-Seiten (Beispiele)

Negativ-Beispiel 1

Beispiel 1: schlechte 404-Seite

Der Besucher hat keine offensichtliche Möglichkeit auf andere Seiten der Website zu gelangen und muss darauf zurückgreifen die Funktionen im Browser selbst zu verwenden, also der Zurück-Button oder die Adressleiste. Wenigstens weiß der Besucher allerdings, dass es sich hier um einen Fehler handelt, aber nicht wie er fortfahren kann.

Negativ-Beispiel 2

Beispiel 2: schlechte 404-Seite

Hier ist an sich keine bestimmte 404-Seite festgelegt, die Fehlermeldung stellt der Browser selbst dar. SEO-technisch nicht ideal.

SEO Tipps für 404-Fehlerseiten

Die ideale 404-Seite erfüllt folgende Merkmale:

  • Verlinkung, nicht Weiterleitung, auf die Homepage
  • Bei Shop-Websites: Verlinkung auf beliebte Produkte und/oder Kategorien
  • Bei informativen Websites: Verlinkung auf beliebte, relevante und aktuelle Artikel innerhalb der Website
  • Informationen darüber, was passiert ist. In den meisten Fällen reicht die Anmerkung „404“ in Kombination mit „Diese Seite wurde nicht gefunden“ oder „Diese Seite existiert nicht (mehr)“
  • Bilder, Grafiken, oder Sprüche, die potenziell die Frustration des Nutzers verringern. Hier bietet sich die Möglichkeit der Website und damit zusammenhängenden Marke Persönlichkeit zu verleihen.
  • Ein ansprechendes Design
  • Ein Suchfeld im Content-Bereich

Ein häufig überblicktes Merkmal einer guten 404-Seite ist die erwähnte Möglichkeit der Website Persönlichkeit zu verleihen und den Nutzer von seiner möglichen Frustration abzubringen. Nutzer des Google Chrome Browsers kennen zum Beispiel den Dinosaurier, der den Nutzer darüber informiert, dass eine Website nicht aufzurufen ist oder keine Internetverbindung vorhanden ist. Zahlreiche Beispiele gibt es mit kleinen Merkmalen und Bildern, die enorm effektiv sind den Besucher einer Website auf dieser zu behalten und seine negative User Experience etwas auszubessern.

Der Trick dabei ist es, dem Besucher der Website das Gefühl zu geben, dass er trotz der 404-Fehlermeldung Inhalte gefunden hat, die ihm gefallen. Sei es durch interessante Abbildungen, die sein Interesse wecken, oder durch Sprüche und Bilder, die ihn zum Lachen bringen. Der Besucher ist sich zwar trotzdem bewusst darüber, dass er auf eine Fehlermeldung gestoßen ist, was so auch gut ist, hat aber trotzdem nicht das Gefühl, dass seine Zeit verschwendet wurde. Der Schlüssel ist hier Kreativität. Mit den richtigen Ideen besteht sogar die Chance, dass die Website auch auf Social Media beworben wird, wenn die 404-Seiten humorvoll sind.

Auch aus Googles Sicht ist eine 404-Seite, die eine überraschend niedrige Bounce Rate und  Verweildauer aufweist, im Vergleich zu einer schlechten Fehlerseite ein   Qualitätsmerkmal. Dies signalisiert, dass Besucher sich gerne auf der 404-Seite aufhalten und nicht sofort die Session abbrechen.

404-Fehlerseiten: Top-5 Auswahl

Platz 5: Kicker Sportmagazin

404-Seite kicker.de
Die 404-Seite von kicker.de punktet mit einer thematisch passenden Abbildung und gestaltet die 404-Seite mit Humor und Gelassenheit. Eine Verlinkung zur Startseite lässt den Nutzer zurück an den Anfang navigieren.
404-Fehlerseite von kicker.de

Platz 4: Sennheiser

404-Seite von Sennheiser
Als Hersteller von Audio-Produkten platziert Sennheiser.com einen Wortwitz zu Audiofrequenzen in Kombination mit der eigentlichen Fehlermeldung an sich. Zur weiteren Orientierung ist eine Suchfunktion implementiert, allerdings keine Buttons, die zu bestimmten vorgeschlagenen Seiten führt.
404-Fehlerseite von de.sennheiser.com

Platz 3: Edeka

404-Seite von Edeka
Mit einem optisch ansprechendem Design und Verkaufsargumenten von Frische und Vielfalt verfolgt Edeka.de die Strategie, für Conversion vielversprechende Unterseiten zu verlinken und die Session fließend fortzusetzen. Primär wird auf Rezepte und Angebote verlinkt, Seiten, die mit hoher Wahrscheinlichkeit ansprechend für Kunden sind.
404-Fehlerseite von edeka.de

Platz 2: Zoo Hannover

404-Seite vom Zoo Hannover
Auf der 404-Seite von zoo-hannover.de werden an 2 verschiedenen Stellen Conversion-Buttons in den Mittelpunkt gestellt. Auch auf der 404-Seite soll die Kauf-Intention des Besuchers den klaren Fokus darstellen, was für Besucher mit eben dieser Intention ideal ist.
404-Fehlerseite von zoo-hannover.de

Platz 1: Sistrix

404-Seite sistrix.de
Mit einem animierten GIF geht de.sistrix.com die Extra-Meile und setzt auf eine Strategie, die primär den potenziellen Frust eines Besuchers verhindern soll. Über ein Logo links oben kann zurück auf die Login-Seite Startseite der Toolbox navigiert werden, jedoch ist hier das klare Ziel, dem Nutzer trotz Fehlermeldung eine gute User-Experience zu ermöglichen.
404-Fehlerseite von de.sistrix.com

Fazit

Zusammengefasst lässt sich nicht komplett verhindern, dass 404-Meldungen auftreten. Allerdings heißt dies nicht, dass sie nicht vermieden werden sollten; fehlerhafte interne Verlinkungen auf leere Seiten sind auch mit den kreativsten 404-Seiten als problematisch. Für Fälle, in welchen Nutzer trotzdem auf diese Seiten gelangen, ist es jedoch ein deutlicher Vorteil eine qualitativ hochwertige und in manchen Fällen auch unterhaltsame 404-Seite zu pflegen. Dabei kommt es darauf an, relevante Inhalte zu verlinken, Weiterleitungen zu vermeiden und den Nutzer darüber zu informieren, dass er auf einen Fehler gestoßen ist. Eine plausible Erklärung des Fehlers verringert den Frust des Users.

Werden diese Aspekte bei der Erstellung einer 404-Seite beachtet, lässt sich der „Schaden“, der durch das Erreichen dieser Seiten entsteht, enorm verringern. Die Bounce-Rate fällt niedriger aus und der Nutzer wird dazu motiviert auf der Website zu bleiben und andere Inhalte zu besuchen.




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Stefan Wall studierte „Medienkommunikation & Journalismus“ und arbeitete danach als Marketing Manager. Er kennt sich mit Google Ads, Google Analytics, der Google Search Console und dem Facebook Business Manager aus.
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