Dwell Time anschaulich erklärt

Stefan Wall  Stefan Wall in OnPage SEO am 29. April 2021

Suchmaschinennutzer kennen das Problem; auf der Suche nach den gewünschten Informationen oder sonstigen Inhalten klickt man auf vielversprechende Suchergebnisse und stellt dann fest, dass das vorgeschlagene Ergebnis nicht den Erwartungen entspricht. Mit einem Klick auf „zurück“ im Browser geht die Suche weiter, bis der User die passende Website findet. Bei jeder dieser besuchten Seiten entscheidet der User, ob sie seine Suchintention erfüllt. Die Zeit, die bei dieser Einschätzung aufgewendet wird, bis der Nutzer zurück zu den Suchergebnissen navigiert, ist als Dwell Time bekannt.

Grundsätzlich ist es wichtig, Dwell Time von ähnlichen Indikatoren wie Time on Page und Bounce Rate zu unterscheiden. Teilweise überschneiden sich die Begriffe, bedeuten aber im Detail etwas anderes.

Infografik Dwell Time

Die Time on Page sagt aus, wie viel Zeit ein Nutzer auf den Unterseiten einer Domain verbringt, bis er diese wieder verlässt. Sei es zurück zu den Suchergebnissen, zu einer anderen Seite derselben Domain oder zu einer ganz anderen Website.

Die Bounce Rate hingegen betrachtet, wie viele Besucher einer Website nur eine einzige Unterseite besuchen, und sofort wieder verlassen, ohne sich weiter mit Seiten dieser Domain zu befassen. Ein Besucher könnte so zum Beispiel eine andere Seite besucht haben, zurück zu den Suchergebnissen navigiert haben, oder tatsächlich den Browser geschlossen haben. Bounce Rate wird mit einem prozentualen Wert gemessen, während Time on Page und Dwell Time Zeitangaben sind.

Was Dwell Time von diesen beiden Faktoren unterscheidet ist, dass Dwell Time die Zeit betrachtet, die ein Besucher auf einer Seite verbringt, bis er zurück zu den Suchergebnissen navigiert. Besuche einer anderen Seite oder das Schließen des Browsers werden hier nicht beachtet. Somit trifft die Dwell Time eine noch genauere Aussage darüber, wie gut eine Seite zu spezifischen Suchbegriffen passt, und wie sehr sie Nutzer zum Verweilen einlädt.

Kennzahl Erklärung
Time on Page Verweildauer auf allen Unterseiten einer Domain bis zum Verlassen.
Bounce Rate Wieviel Prozent der User verlassen die Seite nach Besuch einer Unterseite sofort wieder?
Dwell Time Zeit, die der Nutzer auf der Seite verbringt, bis er zu den Suchergebnissen zurückkehrt.

Interpretation der Dwell Time

Was genau sagen hohe oder niedrige Dwell Time Werte letztendlich aus?

Liegt der Wert bei mehr als 5 Minuten, hat der User

  • sich intensiv mit dem Content befasst
  • Motivation auf der Seite zu verweilen
  • die gewünschten Inhalte gefunden oder
  • anderen für ihn interessanten Content entdeckt.

In den meisten Fällen ist eine lange Dwell Time Dauer erwünscht. Je länger Besucher auf einer Seite verweilen, desto wahrscheinlicher ist es, dass die Conversionrate steigt, was sich beispielsweise in vermehrten Käufen oder Newsletteranmeldungen äußert.

Bei Werten zwischen 1-5 Minuten  hat der Nutzer sich zumindest mit Teilen des Contents auseinandergesetzt. Hier ist es schon schwieriger pauschale Aussagen darüber zu treffen, weshalb die Dwell Time nicht höher liegt.

Einerseits kann dies zwar bedeuten, dass ein Besucher nach längerem Lesen trotzdem entschieden hat, weiter nach passenderen Ergebnissen zu suchen. Jedoch kann es sich je nach Suchanfrage auch um eine eher unkomplizierte Thematik handeln, die nicht viel Lesezeit benötigt. So nimmt beispielsweise das Lesen von Fachartikeln zu komplizierten Themen mehr Zeit in Anspruch als das Recherchieren zu konkreten Fragen (Wetterbericht, Sportergebnisse, Fakten…). Ein großer Teil der Suchanfragen benötigt nicht mehr als 5 Minuten, um zufriedenstellend beantwortet zu werden. Somit ist es generell wichtig die Dwell Time immer im Zusammenhang mit den jeweiligen Seiten und Suchanfragen zu betrachten.

Bei Dwell Time Werten zwischen  20 Sekunden und 1 Minute überfliegt der User die Website. Er

  • liest die Überschriften
  • erkennt hervorgehobene Begriffe
  • scannt grob die Inhalte

Auf dieser Basis trifft er dann die Entscheidung, dass der Content für ihn nicht relevant ist, woraufhin er zu den Suchergebnissen zurückkehrt. Eine Unterseite kann nicht immer für jedes rankende Keyword relevanten Inhalt vorzeigen, somit muss ein solcher Wert in Einzelfällen nicht sofort als schädigend erkannt werden. Wichtiger ist zu betrachten, wie sich Durchschnitte für relevante Suchanfragen diesbezüglich entwickeln.

Verbringt ein Nutzer weniger als 20 Sekunden auf einer Seite liegt dies häufig an Faktoren, die über den eigentlichen Content hinausgehen. Also selbst wenn der Inhalt einer Seite relevant wäre, navigieren viele Besucher trotzdem in kurzer Zeit zurück zu den Suchergebnissen. Häufig liegt der Grund dafür in einer negativen Nutzererfahrung durch:

  • störende Pop-ups
  • aufdringliche Werbung und Werbebanner
  • veraltetes Layout
  • unseriöses Erscheinungsbild der Website
  • schlechte Ladezeiten und allgemein mangelnde Performance
  • mangelhafte Optimierung für mobile Geräte
  • Paywalls

Auf diese Weise verliert eine Website Besucher, schon bevor sie mit dem Content der Seite interagiert haben. Es wird online erwartet, dass Inhalte schnell und unkompliziert verfügbar sind. Erfüllt eine Seite nicht diese beiden Qualitätsmerkmale, sucht sich ein Besucher eine Konkurrenzseite aus. Deshalb ist es wichtig, nicht nur auf passende Keywords und hochwertigen Content zu setzen, sondern auch eine optimale Nutzererfahrung auf der eigenen Website zu ermöglichen. Zwar ist es gut durch Google oft gefunden zu werden, jedoch entstehen dabei wenige Conversions, wenn Besucher die Seite möglichst schnell wieder verlassen möchten.

Dwell Time Erklärung
weniger als 20 Sekunden Häufig durch schlechter Nutzererfahrung begründet (lange Ladezeit, störende Werbung…)
20 Sekunden und 1 Minute Nutzer überfliegt die Inhalte (Überschriften, Grafiken).
1 bis 5 Minuten Entweder hat der User die benötigten Informationen schnell gefunden oder die Seite entspricht nicht ganz seinen Erwartungen.
mehr als 5 Minuten Der Content entspricht den Erwartungen, die Conversion Wahrscheinlichkeit steigt.

Ist die Dwell Time für Rankings relevant?

Von Google gibt es leider keine eindeutige Antwort, ob Dwell Time ein Ranking-relevanter Faktor ist. Allerdings haben Googlemitarbeiter im Rahmen der Google Brain Teams die Dwell Time zur Verbesserung der künstlichen Intelligenz verwendet. Eine offizielle Bestätigung dazu, dass die Dwell Time relevanten Einfluss auf die Rankings bei den Google Suchergebnissen hat, gab es bisher aber noch nicht.

Durch den Zusammenhang von Dwell Time und optimierter Nutzererfahrung liegt es nahe, dass Dwell Time ein Indikator für sowohl die Usability, als auch für die Qualität des Contents einer Seite darstellen kann. Google wertet diese Qualitätsmerkmale als Rankingfaktoren, vor allem im Hinblick auf die Relevanz von mobilen Optimierungen und Performance-Verbesserungen wie bei den Core Web Vitals in den letzten Jahren.

Dwell Time ist eher für Websites ein Thema, die für verschiedene Suchbegriffe relativ konstant in den Top 10 ranken. Zwar ist die Conversion-Optimierung immer ein relevanter Aspekt der Suchmaschinenoptimierung, jedoch ist es genau so wichtig Prioritäten effizient zu setzen. Ohne Besucher finden immerhin trotz hoher Qualität letztendlich keine Conversions statt.

Fazit

Berücksichtigen Sie die Dwell Time, auch wenn es sich nicht um ein primäres Optimierungsziel handelt. Verbessern Sie die Usability und den Content Ihrer Seite, dadurch verlängert sich die Dwell Time. Achten Sie darauf

  • qualitativ hochwertigen Content zu veröffentlichen
  • eine technisch einwandfreie Seite zu haben
  • auf Pop-ups und aggressive Werbung zu verzichten

Beachten Sie diese Regeln, verbessern Sie meist automatisch die Dwell Time. Obwohl es sich bei der Dwell Time nicht um einen direkten Rankingfaktor handelt, dient Sie als Warnsignal dafür, ob die Seite den Erwartungen der Nutzer entspricht.




Beitrag kommentieren

EINE ANTWORT HINTERLASSEN

Dein Kommentar wird vor der Freischaltung von einem Admin moderiert.



  • Thomas

    29.04.2021, 10:32 Uhr

    Wie/wo wird denn die Dwell Time gemessen? Gibt es Tools dafür?

  • Stefan Wall

    04.05.2021, 10:58 Uhr

    Hallo Thomas, Dwell Time kann in den Google Analytics eingesehen werden. Dafür meldet man sich mit seinem jeweiligen Konto an und navigiert zu „Verhalten“ > „Websitecontent“ >“Landingpages“. Hier muss ein neues Segment hinzugefügt werden, in welchem ausschließlich organische Zugriffe angezeigt werden. Unter der hier angegebenen durchschnittlichen Sitzungsdauer kann die durchschnittliche Dwell Time abgelesen werden.

Stefan Wall

Über Stefan Wall

SEO
Stefan Wall studierte „Medienkommunikation & Journalismus“ und arbeitete danach als Marketing Manager. Er kennt sich mit Google Ads, Google Analytics, der Google Search Console und dem Facebook Business Manager aus.
Alle Artikel von:

Verwandte Beiträge

Suchmaschinenoptimierung für Noxum

Das Noxum Publishing Studio ist ein auf XML basierendes Content Management System (CMS) und Redaktionssystem. Noxum ist im Vergleich zu WordPress oder Joomla ein relativ unbekanntes CMS. Dennoch überzeugt das System aktuell diverse namhafte Kunden und bietet somit eine erfolgsversprechende Plattform für Websites an. Besonderheiten von Noxum Das Besondere an Noxum ist die modulare Arbeitsweise

> WEITERLESEN …

 
Landingpage: Agentur beauftragen oder selbst machen?

Eine Landingpage dient dazu, den Nutzer zu einer Aktion (Conversion) zu bewegen. Die potenziellen Kunden erreichen diese Webseite meist durch Klick auf eine Anzeige oder direkt aus den Suchergebnissen. Die alternative Bezeichnung Zielseite deutet es bereits an: Die Seite verfolgt ein bestimmtes Ziel (Kauf eines Produkts, Newsletter-Anmeldung …). Vor und während der Erstellung einer solchen

> WEITERLESEN …

 
Adobe Experience Manager (AEM) und Suchmaschinenoptimierung (SEO)

Der Adobe Experience Manager (AEM) wird von der Softwareschmiede Adobe als „Eine leistungsstarke Kombination für eure Anforderungen an Content-Management und Digital Asset Management“ bezeichnet und „verbindet Digital Asset Management mit der Leistungsfähigkeit eines Content-Management-Systems“, so Adobe. Mit dem Adobe Experience Manager haben wir einen riesigen Tanker oder eher ein Kreuzfahrtschiff im Bereich Content Management und

> WEITERLESEN …

 
CMS für SEO
Die besten CMS für SEO

Ein Content-Management-System (CMS) ermöglicht es jedem User, auch ohne HTML-Kenntnisse, Inhalte auf Webseiten zu verändern. Mittlerweile gibt es sehr viele dieser Systeme, die sich in den technischen Feinheiten unterscheiden. Nur wenige Websitebetreiber verzichten auf die Arbeitserleichterung durch ein CMS. Welches CMS für SEO? Bei Baukastensystemen haben Sie als User nicht die Möglichkeiten, bestimmte Einstellungen zu

> WEITERLESEN …