Hidden Content und Infinite Scrolling: SEO Tipps zur Umsetzung

Marcel Sarman  Marcel Sarman in OnPage SEO am 19. Mai 2020

Als Hidden Content bezeichnen Fachleute Inhalte einer Website, die für den User nicht zu sehen, aber im Quelltext vorhanden sind.

Dabei unterscheidet man zwischen zwei Arten von Hidden Content. Im ersten Fall versteckt der Websitebetreiber Texte durchgängig vor dem User. Dann kommen die Keywords im Quelltext vor, sind aber für den Website Besucher unsichtbar. Winzige Schriftgrößen oder weiße Schrift auf weißem Hintergrund gehörten dabei zu den gängigen Tricks, mittlerweile gibt es allerdings raffiniertere Techniken. Google wertet diese Art von Hidden Content als Manipulation und straft die betroffenen Webseiten ab.

Der erlaubte Hidden Content dient dazu, die Seite für den User übersichtlicher zu gestalten bzw. die Zugänglichkeit zu erhöhen. Dann sind versteckte Inhalte ausdrücklich erlaubt. Durch Akkordeons oder Tabs erscheinen bestimmte Inhalte erst nach Klick des Users.

Google wertet Hidden Content

Versteckte Inhalte zählen somit für das Ranking einer Website. Gerade in der mobilen Ansicht arbeiten zahlreiche erfolgreiche Websites mit aufklappbaren Inhalten. Dieser Hidden Content ermöglicht eine bessere Nutzererfahrung. Seit dem Mobile First Update von 2018 bewertet Google auch versteckte Inhalte. Der Google Bot crawlt laut John Müller Hidden Content und die Inhalte fließen in die Bewertung von Google ein.

Tabbed Content – gut für Onlineshops geeignet

Die User Experience zählt zu den Rankingfaktoren und das Verstecken von Inhalten in Tabs verbessert die Usability, wenn es sich beispielsweise um technische Details handelt, die nur für Experten von Belang sind. Der Durchschnittskunde bekommt so genau die Informationen, die er benötigt.  Weitergehende Infos stören dann nicht den Lesefluss, sind aber trotzdem über Tabs leicht erreichbar. Binden Sie Tabbed Content, der gerade in Onlineshops häufig vorkommt, sinnvoll und mit Maß ein.

Produktbeschreibung

Hier steht die Produktbeschreibung mit den relevanten Keywords.

Achten Sie darauf, dass Ihre Website Besucher die  Keywords oder wichtige Eigenschaften des Produkts auf Anhieb sehen. Erfüllen Sie die Suchintention des Users durch sofort sichtbare Antworten auf die Suchanfragen. Ansonsten besteht die Gefahr, dass die Besucher die Seite schnell wieder verlassen und die Absprungrate steigt. Verzichten Sie also darauf, Keywords in zunächst unsichtbaren Tabs zu verstecken. Blenden Sie Inhalte aus, um die Zugänglichkeit der Website zu erhöhen.

Google ist in der Lage, HTML-Inhalte zu crawlen, die sich hinter Navigationselementen wie Tabs oder maximierbaren Bereichen verbergen. Wir stufen diese Inhalte jedoch als weniger zugänglich für Nutzer ein und sind der Ansicht, dass die wichtigsten Informationen in der Standard-Seitenansicht sichtbar sein sollten.
Google Richtlinien

Akkordeons – mehr Übersicht auf Smartphones

Akkordeons mit Hidden Content zählen längst zu einem beliebten Design Feature. Seit der zunehmenden Internetnutzung durch Smartphones sind diese Elemente selbsterklärend und User nutzen sie oft. Wikipedia macht es vor. Auf dem Desktop erscheinen alle Texte, während mobil nur die anklickbaren Überschriften zu sehen sind.

Google wertet den Quelltext der Seite aus, achten Sie daher darauf, dass die versteckten Inhalte im HTML-Code vorhanden sind. So sehen die Besucher die Inhalte nicht, die Suchmaschinenroboter allerdings schon. Der Googlebot führt keine Klicks aus, aber wertet alle im Quelltext vorhandenen Inhalte, auch wenn sie im Browser nicht zu sehen sind.

Es stehen zahlreiche Möglichkeiten zur Einbindung von Akkordeons zur Verfügung. Für WordPress gibt es Akkordeon Plugins, in Frameworks wie Bootstrap ist diese Funktion integriert und einen passenden HTML bzw. CSS Code finden Sie hier.

Dieser Text steht auch im Quelltext.

Quelltext mit Hidden Content Inhalten
Suchen Sie im Quelltext nach den ausgeblendeten Texten, um sicher zu gehen, dass Google die versteckten Inhalte indexiert.

Trotzdem ist es eine Einzelfallentscheidung, Akkordeons einzubauen oder nicht. Überfordern Sie Ihre User nicht mit unverständlichem Hidden Content. Aus dem Kontext muss hervorgehen, dass der Bereich anklickbar ist und welche Inhalte der User dort findet.

Grafiken: Ausblenden möglich, Alt-Tags nötig

Das Ausblenden von Grafiken für die Smartphone Ansicht ist ebenso erlaubt. Dadurch verbessert sich die Usability der Seite. Diese Maßnahme dient nicht der Manipulation, sondern der Erhöhung der Userzufriedenheit. Die Verwendung der CSS Anweisung display:none stellt keinen Verstoß gegen die Google Richtlinien dar, wenn die Verbesserung der Bedienbarkeit im Vordergrund steht. Blenden Sie also auf dem Smartphone für das Verständnis unwichtige Grafiken aus, um Ihren Besuchern unnötiges Scrollen zu ersparen.

Desktopversion ABAKUS Consulting Leistungsseite
Wir blenden auf unseren Leistungsseiten (hier: SEO Consulting) in der mobilen Version die Grafiken rechts oben aus. Unsere Besucher erhalten so auf dem Smartphone mehr Informationen ohne überflüssiges Scrollen.

Auch Alt-Tags von Grafiken zählen zu Hidden Content. Hier teilt der Webdesigner der Suchmaschine mit, was auf dem Foto zu sehen ist. Die Zusatzinformation erhöht die Chancen auf ein gutes Ranking. Außerdem bekommen Nutzer mit Screenreadern den Text vorgelesen. Versehen Sie daher alle Ihre Grafiken mit einem aussagekräftigen Alt-Tag.

Google gibt für Alt-Tags von Grafiken die folgende Empfehlung:
Konzentrieren Sie sich bei der Auswahl von Alternativtext auf das Erstellen nützlicher, informativer Inhalte mit passenden Keywords, die sich auf den Seiteninhalt beziehen. Überladen Sie ALT-Attribute nicht mit überflüssigen Keywords, da dies nicht nutzerfreundlich ist und Ihre Website leicht als Spam eingestuft werden kann.

Infinite Scrolling – Indexiert Google die nachgeladenen Inhalte?

Beim Infinite Scrolling werden Inhalte automatisch nachgeladen, wenn der Anwender zum Seitenende gescrolled hat. Soziale Netzwerke wie Facebook oder Twitter verwenden Infinite Scrolling. Die Realisierung erfolgt normalerweise mit JavaScript, dabei lädt die Seite asynchron neue Inhalte, sobald der User einen bestimmten Punkt erreicht hat. Um Verzögerungen beim Aufbau der Seite zu vermeiden, beginnt das Laden des Contents bevor der User den Endpunkt der Seite erreicht. Dadurch entsteht der Eindruck, dass die Inhalte sofort erscheinen.

Hidden Content und Infinite Scrolling

Infinite Scrolling  mit JavaScript und asynchronem Laden bedeutet, dass die nachgeladenen Inhalte nicht im HTML-Code vorhanden sind. Die Indexierung des nicht sichtbaren Contents ist daher problematisch. Die Crawler scrollen nicht automatisch bis zum Seitenende, um neue Inhalte zu sehen.

Seit 2019 kann der Googlebot in der Evergreen-Version mit Infinite Scrolling umgehen. Bei Anwendung der empfohlenen Intersection Observer Technik stellen Sie eine Indexierung Ihres Contents sicher und umgehen die vorher beschriebenen Schwierigkeiten.

Google empfiehlt bereits seit Jahren eine Methode, um Seiten mit Infinite Scrolling suchmaschinenfreundlich zu gestalten. Splitten Sie Ihren Inhalt,  indem Sie ihn in mehrere Teile aufteilen. Auch bei deaktiviertem Javascript erreicht der User so die Teilseiten. Die Seiten sind durch die Pagination miteinander verbunden und haben jeweils den gleichen title-Tag im head-Bereich. Diese kombinierte Form von Pagination und Infinite Scrolling stellt eine SEO technisch gute Lösung dar. Das Beispiel macht die Vorgehensweise deutlich.

Die Empfehlung liegt einige Zeit zurück. Daher erläuterte Googles Martin Spitt im März 2020 nochmal ausführlich, welche Probleme Infinite Scrolling verursacht. Er empfahl dringend, die eigene Seite mit den entsprechenden Tools zu testen. Welche Bereiche einer Website crawlt der Googlebot?  Mit dem sogenannten Puppeteer-Skript ist es möglich zu prüfen, welche Inhalte Google indexiert. Das Nachladen von Grafiken mit Lazy-Loading stellt laut Spitt allerdings kein Problem dar, während es bei relevanten Inhalten mit dieser Technik einige Probleme gibt.

Verwenden Sie kein Infinite Scrolling zur Anzeige mehrerer Artikel unter derselben URL. Das führt unter Umständen zu Duplicate Content. Beim gemeinsamen Laden unterschiedlicher Beiträge können diese gemeinsam indexiert werden und so an Wertigkeit verlieren. Haben Sie eine Liste mit sehr vielen Aufzählungspunkten ist die Anwendung von Infinite Scrolling sinnvoll, um zunächst nur die ersten Punkte anzuzeigen. Zur Präsentation mehrerer unterschiedlicher Beiträge ist diese Methode ungeeignet.

Fazit

Nutzen Sie Hidden Content, um die Usability zu verbessern. Verzichten Sie darauf, wichtige Inhalte in Hidden Content zu verstecken. Achten Sie bei der Umsetzung auf die zugrunde liegende Technik. Kontrollieren Sie Ihren Quelltext, ob Sie die versteckten Inhalte dort finden. Überlegen Sie genau, bevor Sie Infinite Scrolling auf Ihre Website einbauen und berücksichtigen Sie die technischen Feinheiten.

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Über Marcel Sarman

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Marcel Sarman betreut die ABAKUS Website und entwickelt sie weiter. Er ist unser Experte für HTML5, CSS3 und WordPress und schreibt Beiträge für unsere Seite.
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