Keyword Kannibalismus erkennen und beseitigen

Tina Höser  Tina Höser in OnPage SEO am 26. Februar 2020

In der SEO-Fachsprache gibt es den Begriff „Keyword Kannibalismus“ oder „Kannibalisierung“, was recht brutal klingt und sich am Ende auch sehr ungünstig auf eine Website auswirken kann.
Keyword Kannibalismus entsteht immer dann, wenn exakt die gleichen Keywords oder Wortgruppen für mehrere URLs aufgestellt werden oder Suchmaschinen unterschiedlichen Seiten die gleichen Suchbegriffe im Ranking zuordnen.
Wurde dieser Prozess bewusst so gestaltet, spricht man auch von „SEO-Überoptimierung“. Meist schleichen sich aber Keyword-Konkurrenzen im Laufe der Zeit eher unauffällig ein.

Wie genau entsteht eine Keyword-Konkurrenz?

Nach dem Motto „Viel hilft viel!“ übertreiben es Webmaster manchmal im guten Glauben mit dem Aufstellen von einzelnen Seiten zu gleichen oder sehr ähnlichen Themen. So werden dann auf unterschiedlichen URLs Inhalte veröffentlicht, die thematisch so dicht beieinander liegen, dass sie eigentlich nur auf einer einzigen Seite stehen sollten. Oder es wird gezielt Keyword-Stuffing betrieben, also Texte mit immer dem gleichen Begriff regelrecht vollgestopft in der irrtümlichen Annahme, dass die hohe Keyword-Dichte zu besseren Rankings führt.

Oftmals entsteht eine Kannibalisierung aber auch schleichend, wenn im Laufe der Zeit neuer Content hinzukommt und irgendwann der Überblick zu den einzelnen Suchbegriffen verloren geht.

Auch Blog-Inhalte konkurrieren manchmal mit Shop-Inhalten, weil im Blog z.B. ein Produkt näher vorgestellt wird oder Tipps dazu gegeben werden, während im Shop genau auf dieses Produkt optimiert wurde.

Ebenfalls ein typisches Szenario ist das Einfügen einer neuen Kategorie/Unterkategorie auf einer Website oder im Shop, die dann einen Inhalt oder Produkt in zwei unterschiedlichen Menüpunkten abbildet. Hier werden dann klassische Duplikate gebildet. Besonders häufig kommt das bei saisonalen Angeboten, Neuheiten und Sales vor, wo das entsprechende Produkt sowohl in diesem Bereich, als auch nochmal in der eigentlichen Shop-Kategorie angeboten wird.

In Konkurrenz treten auch indexierbare Filterergebnisse oder Produkte mit unterschiedlichen Attributen. Bietet z.B. ein Shop Keramiktassen in 5 unterschiedlichen Farben an und ist die Farbauswahl nicht von der Indexierung gesperrt, so konkurrieren dann alle 5 Produktseiten um das Haupt-Keyword „Keramiktasse“.

Welche Auswirkungen hat Keyword-Kannibalismus?

Werden auf unterschiedlichen Seiten die gleichen oder sehr ähnliche Keywords bedient, fällt es Suchmaschinen schwer, den Fokus auf eine URL zu legen und die relevanteste Seite zu erkennen. Hier spricht man auch von einem Relevanz-Problem.
Dies führt meist zu folgenden Auswirkungen:

  • Unterschiedliche URLs ranken für ein und dasselbe Keyword
  • URLs wechseln sich im Ranking für ein Keyword ab
  • Die Positionierung für das kannibalisierte Keyword schwankt beständig, oft in größeren Bereichen
  • Meist wird keines der betroffenen Keywords/URLs in Spitzenpositionen in den Suchergebnissen gelistet

Doch wie kommt es, dass bei einer internen Keyword-Konkurrenz und Mehrfach-Rankings dazu oft kein Top-Ranking erzielt wird?
Vor einigen Jahren noch hat man die durch gleiche Suchbegriffe erzeugten Rankings als „Doppelpack“  in den Suchergebnissen gesehen, also zwei Ergebnisse zu einer Domain, von denen das untere Ergebnis eingerückt dargestellt wurde.

Google Dppelpack Darstellung in den SERPs

Quelle:google.com

In diesem Google-Patent „Domain Zusammenbruch in den Suchergebnissen“ wird der Mechanismus der Kopplung dieser Rankings aneinander beschrieben.

Google Patent

 

Im Grunde genommen geht es Google darum, wenn es ein Ergebnis zu Keyword A von eine Domain www.beispiel.de auf Platz 4 gibt und eine zweite Unterseite der gleichen Domain schafft es auf Platz 18 – dann fasst Google diese zwei Ergebnisse zusammen und berechnet eine Durchschnittsposition für das Doppelpack und zeigt beide untereinander auf der neuen Position an – z.B. auf Platz 11 und 12.
Das hieß im Falle des Doppelpacks: In der Regel orientierte sich das Ranking an der geringsten Positionierung, sofern es mindestens zwei relevante Seiten zum gleichen Keyword gab.

Google Patent aktiv
In den Suchergebnissen von heute werden keine solchen Doppelrankings mehr angezeigt. Das Patent gilt immer noch, wie auf der Seite https://patents.google.com/patent/US8041709B2/en zu sehen ist. So ist davon auszugehen, dass bei Keyword-Konkurrenzen nach wie vor dieser Mechanismus greift und das schlechtere Suchergebnis die Gesamtpositionierung bedingt. Aus diesem Grund ist es immens wichtig, interne Konkurrenzen zu erkennen und zu bereinigen.

Wie finde ich intern konkurrierende Keywords?

Gerade bei sehr großen Websites ist es oft nicht einfach, den Überblick über alle Inhalte zu behalten. Aber auch bei wachsenden Webauftritten, denen immer wieder neuer Content, oft von unterschiedlichen Redakteuren, hinzugefügt wird, kann man schnell in die Keyword-Falle tappen.
Hier benötigt der Webmaster SEO Hilfsmittel:

  1. SEO-Tools
    Verschiedene SEO-Tools, wie z. B. Sistrix, prüfen die rankenden Keywords einer Domain auf Kannibalismus.

Keyword Kannibalismus Sistrix
Quelle: de.sistrix.com

  1. Live Abfrage bei Google
    Für wichtige Keywords können über eine Suchanfrage bei Google die Ergebnisse der ersten Seiten auf Mehrfachlistings hin geprüft werden.
  2. Suchanfragen in der Google Search Console prüfen
    Hier kann man im Leistungsbericht bei der Filterung nach Suchanfragen seine wichtigsten Keywords angeben und dann die dafür rankenden URLs ausgeben lassen. Gibt es mehr als eine rankende URL pro Keyword, ist von einer internen Keyword-Konkurrenz auszugehen.

Google Search Console Abbildung
Quelle: https://search.google.com/search-console/performance/search-analytics

  1. Crawling-Tools verwenden
    Mit Tools, wie z. B. dem Screaming Frog, können die eigenen Webseiten so gecrawlt werden, wie das auch ein Suchmaschinen-Crawler vornimmt. Dabei können die gefundenen Daten nach bestimmten Kriterien eingegrenzt und analysiert werden. Um Keyword-Konkurrenzen zu erkennen, sollte man nach identischen Titles suchen.
  2. Duplicate-Content-Checker
    Da Keyword-Kannibalismus auch durch interne Duplikate entstehen kann, ist es sinnvoll, nach diesen gezielt zu suchen. Es gibt einige Tools im Netz, die dem Anwender ein Aufspüren von Duplikaten versprechen. Dazu gehören z. B. Copyscape, Articlechecker oder Similar Page Checker von Webconfs.
    Mehr zum Thema Duplikate lesen Sie in unserem Blog-Beitrag „Das doppelte Lottchen oder Duplikate unerwünscht“.

Wie bereinige ich Keyword-Konkurrenzen?

Hat man Keyword-Kannibalismus auf der eigenen Website festgestellt, gilt es nun, diesen möglichst schnell und ohne Schaden an der Performance zu bereinigen. Das Vorgehen zur Auflösung der Konkurrenzen ist abhängig von der vorgefundenen Ursache.

Fall 1: Konkurrenzen durch Duplikate

Treten Keyword-Konkurrenzen durch interne Duplikate auf, besteht die Lösung in der Beseitigung der doppelten Inhalte. Dazu werden Duplikatsseiten entweder entfernt bzw. deindexiert, oder kanonisiert (Einsatz eines canonical Tags) oder per 301 weitergeleitet zum Originalinhalt.
Wichtig ist hierbei, die Performance der identischen Seiten vorher zu prüfen. Welche URL generiert die meisten/besten Rankings? Welche den meisten organischen (nichtbezahlten) Traffic? Das schwächere Duplikat wird dann wie beschrieben weiter behandelt.

Fall 2: Konkurrenzen durch Bedienen identischer oder sehr ähnlicher Keywords

Für den Fall 2 liegt die Lösung in einer Deoptimierung der konkurrierenden URL. Auch hier wird im Vorfeld geprüft, welche URL die bessere SEO-Performance hat. Die schwächere Seite wird deoptimiert, also von dem kannibalisierenden Keyword befreit.
Oft eignen sich andere Suchphrasen, auf die diese Seite dann im Title, der H1-Überwschrift und dem textlichen Inhalt angepasst wird. Hier kann man sich z.B. in der Google Search Console alle rankenden Keywords zu der entsprechenden URL anzeigen lassen. Gibt es weitere Suchbegriffe, die ebenfalls über Suchvolumen verfügen, nicht in Konkurrenz mit anderen Keywords treten und schon ein Ranking aufweisen? Dann ist es relativ einfach, diese Seite dahingehend neu auszurichten. Durch den neuen Fokus und bereits vorhandene Positionierung klettern diese Seiten meist recht schnell die Rankingleiter hinauf.

Fall 3: Konkurrenzen durch Attribute/Filter und Ähnlichkeiten

Treten Konkurrenzen durch indexierbare Attribute oder Filterergebnisse auf – im obigen Beispiel anhand der Keramiktassen in unterschiedlichen Farben erklärt – gilt generell: alle Filter- oder Sortierparameter sollten von der Indexierung ausgesperrt werden.

Im Einzelfall kann allerdings das Suchvolumen nach bestimmten Eigenschaften in Zusammenhang mit dem Produktnamen sehr attraktiv sein. Während kaum jemand nach einer „roten Keramiktasse“ sucht, gibt es sehr wohl eine gewisse Nachfrage nach „blauen Jeans“. In solchen Ausnahmefällen sollten diese Begriffe über statische (nicht gefilterte oder parameterisierte) Seiten abgebildet werden.

Gleiches gilt in Onlineshops für sehr ähnliche Artikel, die sich nur geringfügig unterscheiden, aber dennoch als separate Inhalte bestehen bleiben müssen, z.B. gleiche Artikel von unterschiedlichen Herstellern/Marken. Dort ist es wichtig, auf unterschiedliche Artikelbeschreibungen zu achten, wo besonders die Feinheiten, in denen sich ein Artikel unterscheidet, hervorgehoben werden. Man konzentriert sich also mehr auf die Unterschiede, anstatt auf die Gemeinsamkeiten.

Auch ein Keyword-Mapping, also das Festlegen eines bestimmten Suchbegriffes je URL, kann sehr hilfreich sein, um den Überblick zu wahren und gerade auf großen Websites oder Onlineshops ist dieses Hilfsmittel unerlässlich.
Mehr zum Thema Keyword-Mapping finden Sie in unserem Blog-Beitrag „In 3 Schritten zur perfekten Keyword-Recherche: Teil 3 – Keyword-Mapping“.

Fall 4: unvermeidbare Konkurrenzen

Auch bei allen Bemühungen zur Vermeidung einer internen Keyword-Konkurrenz kann es vorkommen, dass diese nicht komplett aufgelöst werden kann. So wird z.B. ein Edelmetall-Händler  verschiedene Goldmünzen im Onlineshop anbieten, aber der Fokus bleibt immer auf dem Haupt-Keyword „Goldmünzen“ und tritt damit in Konkurrenz zu allen Seiten, die Goldmünzen thematisieren.
Hier kann man mit geschickter interner und externer Verlinkung und den dabei mitgegebenen Linktexten den Fokus auf wichtige Seiten/Begriffe verstärken und von anderen abgrenzen.
Auch eine logische Seitenstruktur (Hierarchie) ermöglicht es Suchmaschinen, den Zusammenhang oder auch Unterschied zwischen Seiten mit ähnlichen Begriffen zu erkennen.

Das Thema Keyword-Kannibalismus ist für jeden Webmaster und Seitenbetreiber ein wichtiger Aspekt der Performance-Steuerung, gerade, weil sich Konkurrenzen oft unbemerkt bilden und dann wie eine Bremse auf bestehende und zukünftige Rankings wirken. Einmal erkannt, lässt sich eine interne Kannibalisierung meist relativ einfach lösen oder abmildern und führt zu einer gesteigerten Relevanz der entsprechenden Inhalte.

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Tina Höser

Über Tina Höser

SEO
Christina Höser ist seit 2010 Suchmaschinenoptimiererin bei ABAKUS und seit über 12 Jahren im Online-Marketing tätig. Hunderte Websites mittelständischer und großer Unternehmen wurden bisher von ihr erfolgreich betreut und optimiert.
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